Essentiell: der Eisbock

Eisbock ist keine Ziegenart der bayerischen Alpen, sondern eine rare Bierspezialität, die durch den Hype um Craft-Biere ins Visier der Aroma-Jäger geraten ist. Eine schmackhafte Verfolgungsjagd.

Was ist ein Eisbock?

Ein Eisbock ist historisch gesehen ein Betriebsunfall. Die LEgende sagt, dass ein fränkischer Braugeselle durch Unachtsamkeit ein Fass Bockbier in einer klaten Winternacht im Freien hat stehen lassen. Das Wasser im Bier gefror teilweise. Der Meister hielt das Fass für unbrauchbar und wollte – getreu dem Reinheitsgebot – den Pfusch dadurch bestrafen, dass der Geselle die verbleibende Brühe trinken musste. Doch zur Überraschung beider war das verbliebene Bockbier recht schmackhaft. Der Eisbock war erfunden.

Essenz des Bieres

Bockbier wird bei der Herstellung durch Gefrieren Wasser entzogen, was zu einer entsprechenden Konzentration der klassischen Bierzutaten führt und ihm den Namen „Essenz des Bieres“ eingebracht hat. Dies ist aber nur mit den starken Bockbieren möglich, da der hohe Alkoholgehalt das Gefrieren des eigentlichen Eisbockes verhindert. Es handelt sich also um eine Art Gefrierbrand, mit dem man hochprozentiges Bier herstellen kann ohne auf das Grundprinzip, Alkohol ausschließlich durch Gärung beizubringen, zu verzichten.

Wer macht sowas?

Mit dieser Methode werden die stärksten Biere der Welt hergestellt. Meister dieser Ambition sind schottische Brauereien, die bei ihren stärksten Eisböcken schon im Namen die Gefährlichkeit des Getränkes nahe bringen: „The end of History“ wurde mit 55% noch von „Armageddon“ mit 65% Vol. Alkohol übertroffen. In Serie ist meist der Aventinus der Brauerei Schneider bekannt. 2016 hat sich auch die Hirschbrauerei in Wurmlingen des Themas angenommen.

Ice Rifing: Do it yourself

Eisbock kann man auch selbst machen. Die Herstellung ist zwar nicht unbedingt schön, aber verhältnismäßig einfach. Durch das Gefrieren rührt eine Schwierigkeit her. Natürlich kann man nicht einfach eine Flasche Doppelbock ins Gefrierfach legen, ohne dass sie zu Bruch geht. Also muss man ihn in Plastikflaschen umfüllen. Das bringt ein Problem, denn das Servieren gefrorener Plastikflaschen ist wenig ansehnlich. Wer eine schön gedeckte Tafel mit einem aus dem Eis geschenkten Eiybock-Digestif krönen will, hat also ein Problem. Aber es gibt eigentlich keinen driftigen Grund, weshalb die Herstellung nicht bereits abgeschlossen sein darf und der gewonnene Eisbock ohne sein Ursprungseis präsentiert werden soll.

Bock auf Hirsch?

Wer nicht nur Bock auf Eisbock, sondern auch noch Bock auf Hirsch hat, ist in Wurmlingen genau richtig. Die Hirschbrauerei hat ihre traditionelle Jahresedition 2016 der Essenz gewidmet. Die Präsentation in der dunlen 0,75 l-Flasche ist stilvoll und bei einer festlichen Gelegenheit öffne ich die Flasche. Die dunkle Bernsteinfarbe des Bieres gefällt mir. Bereits beim Riechen weht mir eine volumige, tiefe Aromawolke entgegen, die sich auf der Zunge stark entfaltet und vom Duft reifer Pflaumen geprägt ist. Ich assoziiere eine spätherbstlichen Streuobstwiese und vollende meine Träume mit Hilfe der restlichen Flasche.

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