Die Hopfensau ist los: die Hirsch-Brauerei braut die Fasnet ein

Am Dreikönigstag (6. Januar) beginnt traditionell die schwäbisch-alemannische Fasnet. Die gängigsten Rituale sind das Häsabstauben und/oder das Einschellen in den Straßen. Oft – wie bei der Katzenzunft in Meßkirch – gibt es in den Zunfthäusern Fasnetsküchle. Mit dieser ersten öffentlichen Einladung ist die fünfte Jahreszeit eröffnet. Etwas anders verhält es sich in Wurmlingen bei Tuttlingen. Hier beginnt die Fasnet bereits am 5. Januar mit dem rituellen Einbrauen.

Thorsten Jauch über Sudkessel Thorsten Jauch, Chefbrauer in der Hirsch-Brauerei Wurmlingen, ist auch für Narreteien zuständig.

Welcher Gattung gehört die Hopfensau an?

In Wurmlingen wird die Fasnet nicht eingeschellt, sondern eingebraut, biergetauft und die Brauer werden losgesprochen. Und die Hopfensau wird angestochen, das traditionelle Fasnetsbier der Hirsch-Brauerei Honer. Hopfensau? Fasnet? War da nicht was? Genau: die Hopfensau ist eine Einzelfigur der Tettnanger Narrenzunft. Hopfensau wurde dort traditionell diejenige Hopfenerntehelferin, welche die letzte Hopfenranke pflückte. Den Namen “Hopfensau” für ein Fasnetsbier hat aber erstmals die Hirsch-Brauerei Honer verwendet. Das Hopfengut No. 20 in Tettnang braut mittlerweile aber auch eine eigene Tettnanger Hopfensau.

Tettnanger Hopfensau auf Umzug Die Hopfensau der Narrenzunft Tettnang

Das Hopfensau-Einbrauen in der Hirsch-Brauerei

Die Wurmlinger wissen, wie man eine Sau durchs Dorf treibt. Das rituelle Einbrauen zur Fasnet beginnt als Brauseminar in der Bierwelt der Hirsch-Brauerei. Allerdings ist es nicht wie sonst üblich buchbar für eine interessierte Gruppe. Stattdessen werden etwa 20 Vertreter derjenigen Zunft eingeladen, die das Jahrestreffen des Narrenfreundschaftsrings Schwarzwald-Baar-Heuberg ausrichten. 2018 ist das die Burgnarrenzunft Neufra (bei Rottweil). Sie feiert ihr 60jähriges Bestehen und darf sich als Belohnung mit der organisatorischen Mammutaufgabe und vielen Vorschriften beschäftigen. Als Journalist oder Blogger ist man also nur begrenzt qualifiziert für eine Teilnahme an diesem Brauseminar.

Charly Marx, Hirsch-Brauerei Honer Die Brauseminare begleitet Charly Marx (weder verwandt noch verschwägert). Der pensionierte Braumeister kennt viele Geschichten rund ums Bier, die er seinen Gästen gerne erzählt.

60 Jahre Burgnarren Neufra

“Jetz’ trinke mer ersch mol – gschafft isch no glei”

In der Fasnet ist es wie im richtigen Leben: die einen trinken und singen und die anderen gehen ihren Vergnügen nach. Also werden erst einmal die Aufgaben für Brauer, Mälzer, Schriftführer, Laboranten, Putzen, Marketinger und Chef verteilt. Zum Einstand gibt es natürlich Hopfensau. Die Wurmlinger Hopfensau zeichnet sich erst einmal dadurch aus, dass sie einem nicht mit einer Saublodr ins Gesicht drischt. Vom Bierstil her gesehen handelt es sich beim Narrengold um ein naturtrübes Dunkles, das von der Hirsch-Brauerei ausschließlich zur Fasnet gebraut und verkauft wird. Nicht nur wegen der Saisonalität ist sie exklusiv. Sie schmeckt – oh, Überraschung! – saulecker.

Plopp

Singende Grupppe in der Bierwelt

Bei einem Brauseminar in der Hirsch-Brauerei werden ausschließlich obergärige Biere hergestellt. Das liegt daran, dass die Gärung dieser individuellen Sonderbiere direkt im Wurmlinger Biermuseum, also bei Zimmertemperatur, stattfindet. Für eine untergärige Sorte bräuchte der Gärbottich (zugleich der Sudkessel) eine zusätzliche Kühlung, auf die man hier verzichtet hat. Schließlich ist das für das Kennenlernen des alten, handwerklichen Brauens nicht entscheidend.

Gruppe beim Einmaischen Beim Einmaischen staubt’s ordentlich.

Maische rühren in der Hirsch-Brauerei Honer

Hubert Hepfer, Hirsch-Brauerei Geschäftsführer Hubert Hepfer begrüßt die Gäste des Brauseminars

Wenn Brauer bügeln

Ein Brauseminar ist grundsätzlich keine trockene Angelegenheit. Zur Bierwelt in der Hirsch-Brauerei gehört auch das Bier-Museum, in dem man der Biergeschichte in der Region auf die Spur kommen kann. Zu den Spaß-Spielen gehört das Bügeln, bei dem möglichst schnell möglichst viele Bügelflaschen verschlossen werden müssen.

Bügeln in der Hirsch-Brauerei

Fazit: die Hopfensau braucht gemischtes Publikum aus rührenden und geläuterten Persönlichkeiten, denn es braut sich was zusammen. Wie man Bier braut? Ach, diese Hopfensau treib ich ein andermal durchs Dorf. Oder Ihr kommt selbst mal her und erlebt es. Aber vielleicht so viel: den Treber kriegt der Eber – und auch die Sau, aber nur die ungehopfte.

Renate Wenzler, Hirsch-Brauerei Honer Das ist keine Hopfensau, sondern Renate, eine Bierfee der Hirsch-Brauerei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.