Ingolstadt, die schöne Donauperle

Permanent in den unwirtlichen Knautschzonen des Lebens? Ingolstadt hat eine Menge Luxus, Kulinarik, Wellness und Kultur zu bieten. Ideal für einen Kurztrip.

Meine Ingolstadt-Tour beginnt mit einer Stadtführung am Rathausplatz, der vom alten und vom neuen Rathaus begrenzt wird. Das alte Rathaus ist nicht, wie man wegen der Asymmetrie und der Stilvielfalt meinen könnte, ein Jugendstilbau, sondern eine Verbindung aus ehemals vier Gebäuden. Schon beim Herlaufen vom Parkhaus ist mir aufgefallen, dass diese Stadt mit sehr reicher Geschichte und Kultur aufwarten muss. Meine Gästeführerin schlägt mir deshalb vor, ein paar Highlights heraus zu greifen, was ich gerne annehme.

Freibier für alle!

Ohne Scherz: in Ingolstadt gibt es einen Bierbrunnen. Aber wo sollte er auch sonst stehen, wenn nicht hier?`Schließlich hat Herzog Wilhelm IV. (mit seinem Bruder Ludwig X.) hier 1516 das bayerische Reinheitsgebot erlassen, dessen 500jähriges Jubiläum wir noch immer feiern. Damals waren viele Biere eine echte Plörre aus den unmöglichsten Zutaten. Das erste Lebensmittelgesetz bereitete der unsäglichen Panscherei ein Ende. Ab sofort waren zum Brauen nur noch Gerste, Hopfen und Wasser zugelassen. Wer weiterpanschte, musste sein Gebräu selber trinken. Das Reinheitsgebot stellt also auch eine Form der Wirtschaftsethik dar und kultivierte lange vor Immanuel Kant den kategorischen Imperativ! („Was Du willst, dass man Dir nicht tu, das füge keinem andern zu!“). Die Ingolstädter haben 2016 mit dem Bierbrunnen dem flüssigen Gold ein starkes Symbol gesetzt.

Bierbrunnen Der Bierbrunnen läuft freilich nicht permanent, aber bei guten Gelegenheiten kann man hier seinen Becher füllen und sich erfrischen.

Barockgebäude

In der alten Anatomie:
Das Deutsche Medizinhistorische Museum

Die alte Anatomie in Ingolstadt ist ein Barockgebäude, das derzeit umgebaut wird. Es beherbergt das Deutsche medizinhistorische Museum, in dem man die Geschichte der Medizin von der Antike bis in die Gegenwart nachverfolgen kann. Am Treppengeländer kann man ein typisches Gestaltungsprinzip des Barock erkennen: beim Trompe-l’œil wird das Auge getäuscht, mal in der Dreidimensionalität von gemalten Motiven, mal in der Illusion von Materialien.

Treppenlauf

Herzstück des Gebäudes ist der alte Hörsaal, der heute allerdings nicht mehr so erhalten ist wie ursprünglich angelegt. Er ging über zwei Etagen. Die obere Etage, in der sich ein Ausstellungsraum mit Deckenfresko befindet, war ursprünglich nach unten geöffnet. Von einer amphitheaterähnlichen Galerie konnte man den Präsentationen im Lehrbereich im Erdgeschoss folgen. Vorlesungen gab es nur im 18. Jahrhundert, als die medizinische Fakultät in Ingolstadt beheimatet war. Nachdem diese 1800 nach Landshut umzog, geriet das Gebäude in eine lang andauernde schwierige Phase.

Sezieren zwischen Schau und Schauer

Es gab regelmäßig Schau-Sezierungen, bei denen ein Professor mit Hilfe von Prosektoren öffentliche Sezierungen vornahm. Die Teilnehmer mussten Eintritt bezahlen, um ihren Wissensdurst oder was auch immer befriedigen zu können. Ein Teilbereich wurde mit Hochbeeten barrierefrei angelegt.

Ausstellungsraum

Wo einst gelehrt wurde, befindet sich aktuell das Café Hortus Medicus, das ein vielfältiges Angebot macht.

Café

Botanisches Kleinod:
Der Garten der Alten Anatomie

Auch der Garten steht ganz im Zeichen der Aesculap-Schlange. Selbst bei Frost im Januar spürt man, wie schön dieser Garten in der Donaustadt im Sommer erst sein muss.

Pflanze im Winter

Aus den oberen Etagen in der alten Anatomie hat man einen schönen Blick auf das Münster, das wir als nächstes besuchen. Es ist ein Münster, weil das Gotteshaus ursprünglich von weltlichen Herrschern errichtet wurde.

Münster Ingolstadt

Ich gehe gerne in Kirchen, sie atmen den Geist aus Geschichte und Gebet und sind in unserer Hektik immer auch Zufluchtsorte für die kleinen Auszeiten. Und sie sind natürlich immer auch interessante Orte für (kunst-)historisch Interessierte. Im Münster zu Unserer lieben Frau gibt es dazu auch reichlich Gelegenheit. Doch zuvor sollte man sich wenigstens kurz mit Ludwig VII. (dem Bärtigen) beschäftigen, ohne den hier sozusagen nichts ging.

Ludwig in der Konzilszeit zwischen Zerfall und Einigung

Herzog Ludwig VII. - Aquarell aus dem 18. Jhd. Ludwig der Bärtige – Aquarell 18. Jhd. Das in Herzogtümer zersplitterte Bayern der Wittelsbacher war im Spätmittelalter zu Beginn des 15. Jahrhunderts weit davon entfernt wie heute davon zu singen, „dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau“. In der lateinischen Kirche war es nicht besser. Das „große abendländische Schisma“ erzeugte aus den Konflikten zwischen den italienischen und französischen Kardinälen drei Päpste. Erst im Konzil von Konstanz konnte zumindest äußerlich die Einheit wieder hergestellt werden. Doch bereits mit Jan Hus und Hieronymus von Prag auf dem Konzil und 100 Jahre später mit Martin Luther kam es durch die Reformation zur nächsten Spaltung. Ludwig der Bärtige spielte an der Spitze der französischen Konzilsdelegation eine wichtige Rolle auf dem Konzil. Er hatte im Laufe der vorherigen Jahre hohen Einfluss im Königreich Frankreich gewonnen. König Karl VI. war sein Schwager, geisteskrank und regierungsunfähig. Zugleich war das Konzil Station für Ludwig zur Regentschaft im Herzogtum Bayern-Ingolstadt.

Auf dem Weg zur Festungsstadt

Die Heiratspolitik und Geschäftstüchtigkeit Ludwig des Bärtigen sorgte nicht nur für einen regen Geldfluss aus Paris. Sie inspirierte Ludwig zu zahlreichen Neubauten, die bis heute das Stadtbild prägen. Das Pfründehaus – später die Universität – ließ er für Arme errichten, die für sein Seelenheil beten sollten. Die Stadtmauer entstand aus den familiär-kriegerischen Konflikten. Ebenso begann er den Bau des Neuen Schlosses und legte den Grundstein für das Liebfrauenmünster.

Wenn man heute die Liebfrauenkirche betritt, stößt man erst einmal auf das heute typische Bild mittelalterliher Kirchen. Die Mauern und Säulen sind uni getüncht und bunte Glasfenster wurden durch weißglasige ersetzt, um mehr Licht in die großen Schiffe zu bekommen. Früher war das alles reichlich farbenfroher und hatte wenig mit dem heutigen Bild vom dunklen Zeitalter zu tun. Aber: durch die historischen Umbauten können Kreuzgewölbe und Altäre ihre Pracht entfalten, was beim Hauptaltar mit Tafelbildern aus dem Leben der Maria besonders eindrücklich ist.

Der wichtigste Seitenaltar enthält eine Lukas-Ikone der Gottesmutter, vor der eine Skulptur von Johannes Eck betet. Der Theologie-Professor war in „Unserer lieben Frau“ nicht nur Münsterpfarrer und wurde hier auch bestattet. Der Gegenreformator und Verfasser einer Korrekturbibel war ein direkter Gegenspieler Martin Luthers, der ihm dafür den Titel „Die Sau von Ingolstadt“ verlieh. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr… Bei einem Besuch im Liebfrauenmünster sollte man auch unbedingt einen Blick in die Schatzkammer werfen. Ludwig der Bärtige hatte viele Monstranzen, Reliquiare und andere Glaubensschätze aus Frankreich mitgebracht, die man hier bewundern kann.

Erstaunlich, wieviel hier man bereits auf einem zweistündigen Stadtgang erleben und lernen kann. Eine gute Gelegenheit, meiner Begleiterin Maria Pilz ein Kompliment zu machen, die ihr geballtes Wissen gekonnt, sympathisch und anschaulich zu vermitteln wusste.

Meine Ingolstadt-Tipps für Genießer

Ingolstadt ist wahrlich eine Reise wert, wenn man die Schönheit von Architektur, Geschichte und Kunst erleben, einen Wellness-Kurztrip machen, die Modernität unseres Landes kennen lernen oder regionale Produkte genießen möchte. Mein persönlicher Dank geht an die Stadt Ingolstadt und das Touristik-Team um Dr. Jürgen Amann für die Einladung in die bayerische Donauperle.

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