Endlich: mehr Design in Wohnmobilen

Sind wir mal ehrlich: viele Caravans und Wohnmobile sehen spießig aus. Man kann sich zwar trotz manchem Gelsenkirchener-Barock-Wandschrank-Feeling in vielen Reisemobilen wohl fühlen, aber ein Wow-Effekt bleibt häufig aus. Mehr Design ist also gefragt.

Auf der CMT bin ich dem Thema “alltagstaugliche Reisemobile bis 6 m Länge” nachgegangen. Nachdem ich schon erkundet habe, was die Oberschwaben im Kasten haben, sind mir noch zwei Reisemobile aufgefallen.

Brandneu: Saint & Sinner von Knaus

Auf Wagnisse in designerischer Hinsicht stoße ich bei den neuen Knaus Kastenwägen. Genau zwischen Himmel und Hölle setzt der Saint & Sinner an. Ganz modern greift man den VW Crafter für eine Studie auf und ganz klassisch setzt man auf den Ducato auf, den ich hier vorstelle.

Knaus Saint & Sinner auf der CMT

Starkes Design-Gesamtkonzept

Mächtig und frech macht sich der Neue mit seiner knalligen Rot-Weiß-Lackierung breit. Ähnliches kennt man zwar schon von anderen wie dem VW T6 California Ocean Red, aber dort ist es eben nur eine Anstrich-Variante. Beim Knaus Saint & Sinner bekomme ich sofort den Eindruck, einem ästhetischen Gesamtkonzept zu begegnen. Hungrig schreit mir seine Farbigkeit die Spannung aus freiheitsliebender Abenteuerlust und Möglichkeiten des Erlaubten entgegen. Designerisch dazu gehört die Harmonisierung zwischen Lackierung und Inneneinrichtung wie man am Küchenblock sehen kann. Praktisch: den Schubladenschrank kann man auch von außen öffnen.

Felgen und geöffnete Schiebetür

Dinette mit schwarz-roten Sitzen

Designzelle für unterwegs

Im Innenraum setzt sich das Gestaltungskonzept im gesamten Mobiliar fort. Rot, Schwarz, Weiß und etwas Metall. So bekommt man starke Kontraste und italienisches Flair in die Büchse. Der Grundriss ist einer der bewährten: Heck-Querbett neben dem Raumbad, das auch als Raumteiler dient und wenn die Dusche nicht in Betrieb ist, bekommt man mehr Bewegungsfreiheit im Flur. Das schafft auch Platz für eine geräumige Dinette. Der Tisch ist ausschwenkbar und angenehm groß. Nachts kann man ihn auch zum Bett umfunktionieren. In der Küche ist alles Notwendige onboard: zwei Gaskochflächen. Waschbecken. Geräumiger Kühlschrank. Ausreichend Stauraum gibt es unter dem Bett und in den Hängeschränken, die ebenfalls recht eigenwillig geformt sind.

Blick ins Heck

Nackenstütze mit Emblem

Einzig bei den Lederbezügen der Sitze komme ich etwas ins Grübeln. Ob sie bei heißen Temperaturen auch auch ein gutes Wohngefühl geben? Verlässliches kann ich aber auch nicht dazu sagen. Fest steht dagegen, dass das exklusiv wirkende Design eine wohnliche Atmosphäre schafft, wie sie in Kastenwägen sonst nicht so leicht gelingt.

Knaus Saint & Sinner Seitenansicht

Ein Kasten für Abenteurer

Das Teufelchen mit seinen ringenden Flügeln ist ein starkes Symbol für das Konzept und taucht immer wieder im gesamten Wagen auf, als wollte man sich permanent konfrontieren: “Ist Sünde ohne Reue möglich? Willst Du es nicht ausprobieren?” Da müssen sogar die sonst so offenkundig präsenten Knaus-Schwalben das Nest verlassen und dem flügge werdenden Diabolus und seinen Verführungskünsten die Herrschaft über die Reiseträume überlassen.

Der Saint & Sinner bei Knaus.

Reisemobil Smove von der Seite

Designsationell: der NiBi Smove

Eigentlich passt er gar nicht in mein Beuteschema (alltagstauglich + max. 6m), aber er ist einfach so schön, dass ich den Teilintegrierten kurz erwähnen muss. Der Smove von Niesmann und Bischoff sorgt seit dem letzten Caravansalon für Furore. Er ist der neue Design-Star unter den Reisemobilen und ich finde, völlig zu recht. Apart und elegant steht er da. Verschmolzen die Grenzen zwischen Führerhaus und Aufbau. Die dynamischen Kurven in den funktionalen Aufbau zu integrieren war bestimmt eine große Herausforderung und braucht maximale Kooperationsbereitscht im Team. Für arme Leute ist der Smove nichts. Wer jedoch genügend Geld hat und nach dem Motto lebt “Bloß koin Trend verpennt”, ist hier genau richtig.

Harmonie von Form und Funktion

Camping ist zwar grundsätzlich – egal in welcher Ausprägung – keine günstigere Art zu reisen. Aber: für viele Camper ist es die Einfachheit und die Naturnähe, diesie campen lässt. Steht das nicht im Widerspruch zu einem komplett durchgestylten Teilintegrierten? Nein, denn man ist dem KISS-Prinzip gefolgt hat sich trotz des gestalterischen Invests immer auch einfache Lösungen einfallen lassen und sie konsequent ins Gesamtkonzept eingefügt.

Blick ins Interieur des Smove

Besonders gefällt mir auch, dass der Chic aus ganz einfachen Lösungen kommt. Als Hausmann hat mir insbesondere die Abdeckung auf dem Küchenblock imponiert. Einfach, elegant und hochfunktional.

Küchenblock im Smove

Noch ein paar schöne Elemente: im Handlauf am Einstieg ist eine LED-Leiste iontegriert. Die Stufen ins Querbett hat man mit einem geformten Brett schwungvoll verkleidet. Und die Badtüre kann man als Raumteiler einsetzen und hat so zwei Zimmer. Das ist nur eine Auswahl. Wer also Gelegenheit hat, ihn anzusehen, sollte sich den Smove nicht entgehen lassen.

Rückseite des Smove

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.