Dreikönig: Fasnet-Einschellen in Meßkirch

„’s goht degege“, heißt es ab dem 6. Januar, dem Dreikönigstag, in der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

#seefasnet/ Während der rheinische Karneval (warum auch immer) am 11. November beginnt, wird die schwäbisch-alemannische Fasnet traditionell am 6. Januar eröffnet. Das zum immateriellen Kulturerbe gehörende Brauchtum ist für mich Anlass, eine Serie über die Fasnet rund um den Bodensee zu schreiben. Zwei Fragen leiten mich:

  • Was hat es allgemein mit dem Brauchtum in der Fasnet auf sich?
  • Wie begehen es die Zünfte vor Ort?

Grundsätzlich gilt: die schwäbisch-alemannische Fasnet ist christlich-katholisches Brauchtum, das vor der österlichen Bußzeit seine Höhepunkte hat. Die Fasnet hat also immer auch mit Liturgie zu tun. Zeitlich sind also die Nächte vor dem Fasten gemeint. Sie findet in Landschaften in etwa gleich dem alten Herzogtum Schwaben statt. Zugleich ist es in etwa das frühmittelalterliche Expansionsgebiet der Alamannen. Stuttgart war damals noch Cannstatt und der Bodensee das Herz der Region, das seine Hauptschlagader, den den Rhein (und heute auch die Donau), durch Schwaben pumpt.

Meßkircher Zunfthaus

Meine erste Station ist das Zunfthaus der Meßkircher Katzen. Hier entdecke ich eine interessante Wandbemalung, die eigentlich gut zum Tag passt. Dies zumindest, wenn man bedenkt, dass die Sternsinger am Dreikönigstag von Haus zu Haus gehen, die Häuser segnen und ihre geistliche Gaben gegen Almosen für Bedürftige eintauschen.

Segen für das Zunfthaus

Wie beginnt die Fasnet?

Ob Häs, Larve, Tafel, Brunnen, Füße oder Schelle: am Dreikönigstag wird abgestaubt. Gleich nach dem Ausmotten der Zunftausstattung wird es das erste Mal laut und ein kleiner Umzug verkündet der Öffentlichkeit: die glückselige Zeit beginnt! Üblicherweise beginnt damit auch die Straßenfasnet und ab jetzt ist das Hästragen statthaft. In der Meßkircher Fasnet läuft es etwas anders. Der Katzenrat beendet seine Einschwörung mit dem Glockengeläut der Stadtkirche St. Martin. Nach dem Angelusläuten am Hochfest ist Weihnachten beendet und die Fasnet wird mit der großen Glocke des Zunftmeisters und den Schellen seiner Räte eingeläutet. Der Katzenrat intoniert erstmals im Jahr den Meßkircher Katzenmarsch:
„Miau, Du au, seller au
und sei Frau
Alle Katze gond ge schnurre
bis am Morge d’Schädel surre
…“

Anschließend zieht der Elferrat seine Narrenkappen auf und läutet vor dem Zunfthaus für die Öffentlichkeit die Fasnet ein.

Schellenläuten vor dem Zunfthaus

Die erste Straßenfasnet beschränkt sich aber auf das lauthalse, böllernde und läutende Umrunden des Rathauses. Dazu gibt’s lauthals den örtlichen Narreruf: „Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz…“

Narren am Rathaus

Der Grund: die erste größere Straßenfasnet findet immer am Samstag nach dem Dreikönigstag statt. Dann wird eine der Meßkircher Figuren – Petter Letzkopf – aus dem Schloss befreit, wo er der Sage nach eingesperrt ist. Das Meßkircher Zunfthaus ist übrigens kunstvoll ausgestattet. An den Wänden finden sich die wichtigsten Bräuche als Wandmalereien oder Holzschnitte von W. Herrmann.

Fasnetsküchle und Katzendreck

Was wäre die Fasnet ohne ihre traditionellen Speisen. In Meßkirch werden am Dreikönigstag alle ins Zunfthaus eingeladen, um „Fasnetskiachle“ zu essen. Wie’s geht, lernen Neulinge durch fachmännische Demonstration.

Meßkirch kennt eine weitere Spezialität, die Weltruhm genießt: den Katzendreck. Absolut lecker und auch online bestellbar.

Narri Narro

Es goht also degege – ich bleib dran an der Fasnet und will Euch weitere närrische Geschichten, Sagen und Bräuche rund um dieses einmalige Kulturereignis nahe bringen. Ach ja, falls Ihr übrigens die einmaligen Effekte auf einem Teil der Fotos bewundert, müsst Ihr Euch bei meinem Sohn bedanken. Er hat freundlicherweise seine Fasnetskiachle-Fettfinger über das Objektiv gezogen.

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