Die St. Maurus-Kapelle: Wiege der Beuroner Kunstschule

Wer im Durchbruchstal der jungen Donau bei Beuron unterwegs ist, kann nicht nur einmalige Natur erleben, sondern auch kulturelle Highlights entdecken. Von der St. Maurus-Kapelle ging eine weltweite Kunstbewegung aus.

Die St. Maurus-Kapelle entstand aus einer Stiftung von Katharina von Hohenzollern, die hier ein Gelöbnis einlöste, wonach sie eine Kapelle stifte, wenn der Abt des französischen Benediktiner-Klosters Solesmes, Prosper Guéranger von einer schweren Krankheit genesen würde. Die starke Beziehung zu Solesmes entstand durch die Förderung der liturgischen Erneuerung und der Gründung einer deutschen Benediktinerkongreagtion, die von Beuron und den ersten beiden Äbten, den Brüdern Maurus und Placidus Wolter, verwirklicht wurde. Maurus und Placidus waren die gelehrigsten Schüler des heiligen Benedikt und Maurus zugleich ein Patron der Kranken, die sich bis heute den Maurus-Segen spenden lassen können.

Ein Teil der liturgischen Bewegung

Die Erzabtei Beuron wurde 1863 neu gegründet und offen für Künstler, die sich der liturgischen Bewegung durch ihr Schaffen anschließen konnte. Es wntstand eine eigene Künstlergruppe, die im Kloster beheimatet war. Spiritus Rector war P. Desiderius Lenz, der eine stark an den Riten der Gottesdienste orientierte Kunst entwickeln wollte. Zugleich war er formal stark beeinflusst von der altägyptischen Kunst. Er machte stark kultisch wirkende Entwürfe für die gestiftete St. Maurus-Kapelle, die aber zunächst durchfielen. Der Gründerabt des Klosters Beuron, Maurus Wolter, kommentierte die Zeichnungen Lenz’ lakonisch: “Das ist alles außer katholisch.” Desiderius Lenz war also gezwungen, seinen Entwurf zu ändern und auch für die räumlichen Begebenheiten vor Ort abzuspecken. Partiell erinnert die St. Maurus-Kapelle dennoch an ägyptische Formen. Und sie wurde weniger durch ihre Architektur als durch ihre Malereien zur Wiege der weltberühmten Beuroner Kunstschule.

Malerei: Maria Himmelfahrt, hl. Benedikt und hl. Scholastika

Konsequente Formensprache zur Glaubensvermittlung

Die Beuroner Kunst zeichnet sich durch Formstrenge, Zweidimesionalität, Ornamentik und eine gewisse Stereotypie aus. Über der Eingangstür in der St. Maurus-Kapelle sieht man eine imposante Darstellung der Himmelskönigin Maria, die vom heiligen Benedikt und seiner Schwester, der hl. Scholastika, flankiert wird. in diesem Gemälde spiegelt sich bereits die formale Strenge, die sich durch die gesamte Kapelle zieht, in der angesichts der Größe unheimlich viele Glaubensinhalte und Legenden verarbeitet sind.

Benedikt, Maurus, Placidus Der heilige Benedikt mit sienen Lieblingsschülern Maurus und Placidus

Altarraum Unter dem Kreuz Jesu stehen sechs Heilige (v.l.n.r.): Katharina, Josef, Maria, Johannes Ev., Johannes der Täufer und Cäcilia

Unter dem Altar befindet sich eine inszenierte Grablege des heiligen Maurus. Sein Tod wird auf der gegenüberliegenden Wand dargestellt.

Sterbeszene des hl. Maurus

Weltweite Wirkung

Mit der Entwicklung der Beuroner Kunstschule war eine den Glaubenslehren und -praxis untergeordnete Kunst geschaffen. Diese im Fahrwasser der liturgischen Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Kunstform steht ziemlich diametral den zeitgleich entstehenden avantgardistischen Strömungen entgegen, die sich gegen Akademismus und für eine stärkere individuelle Authetizität einsetzte. Die Beuroner Kunstschule ist zwar nicht unbedingt akademisch, aber in der Moderne hatte sie keinen wirklich relevanten Platz. Stattdessen florierte sie innerhalb der Kirche. Ob im benediktinischen Stammkloster in Montecassino, in Belgien, Jerusalem oder Brasilien. Überall auf der Welt statteten Mönche der Beuroner Kunstschule Kirchen und Klöster aus.

Die Benediktushöhle

Wer einen steilen Anstieg nicht scheut, sollte hinauf steigen zur Benediktushöhle. In ihr sitzt eine Figur des heiligen Benedikt. Damit wird eine Episode aus dem Leben des “Vaters des abendländischen Mönchtums” und ersten Patron Europas nachgestellt. Der heilige Benedikt zog sich in seiner Jungend aus Rom zurück und führte in Subiaco drei Jahre lang ein Eremitenleben in einer Höhle, um sich ganz dem Willen Gottes zu überlassen. Später zog er dann aus und gründete zahlreiche Klöster, denen er als Abt vorstand. In seiner letzten Gründung in Montecassino verfasste er seine Regel des heiligen Benedikt, die später zur Grundlage des monastischen Lebens in Gemeinschaft wurde. Von der Beuroner Benediktushöhle aus hat man auch einen wundervollen Ausblick auf des Donautal und das Wasserkraftwek der Erzabtei Beuron.

Talblick auf Wasserwerk

Tipp: Ziel eines längeren Spaziergangs

Ein Besuch der St. Maurus-Kapelle lässt sich gut mit einer kleinen Wanderung verbinden. Ausgehend von Beuron kann man den etw drei Kilometer langen Weg über den Hermannssteg, vorbei am Sonnenhaus und auf dem Wildpfad nehmen, ehe man das letzte Stück auf dem Donauradweg wieder hinunter ins Tal zur Kapelle nimmt. Auf dem Rückweg kann man auch über die Fahrradbrücke die Donau überqueren und auf der anderen Uferseite zurück nach Beuron laufen.

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