Sprosse für Sprosse auf der Hossinger Leiter

Die Albstädter Traufgänge gehören zu den besten Premiumwegen in Deutschland. Die “Hossinger Leiter” ist im besten Sinne typisch für die Schwäbische Alb und hält was sie Wanderern verspricht. Eine Fotostory.

Der Sonne nach

Als ich an der Traufganghütte Brunnental parke, beginne ich die Hossinger Leiter im Uhrzeigersinn. Warum? Weiß ich nicht mehr genau. Es stellt sich später als richtig heraus. Der Ausläufer des Brunnentals überrascht gleich mit seiner üppigen Vegetation und einigen Tothölzern. Solches “Gestrüpp” habe ich schon immer gemocht. Man muss es eine Weile betrachten, um es erfassen zu können. Auch wenn es wenig spektakulär ist, so zeigt es doch eine großartige Formenvielfalt. Es ist früher Abend und ich laufe dem nahenden Sonnenuntergang hinterher.

Wegweiser Traufgänge

Die “Hossinger Leiter” ist sehr gut ausgeschildert

Gestrüpp

Stumme Rufer

Nach einem ersten flachen Stück komme ich ins Brunntental. Es ist zauberhaft und romantisch. Die Sonne kämpft sich durch die Lücken zwischen den Bäumen. Ein guter Ort, um die “Symbolsprache der Natur lesen” (Andreas Riedmiller) zu lernen. “Hier, schau mich an”, ruft stumm ein Rohr am Bachufer, als es die Sonne anleuchtet. Doch die wandert unaufhörlich weiter und entzieht dem Schilfrohr wieder Licht und Prominenz. Am Rand des Buchenwaldes steht plötzlich eine Gruppe Birken. Wie Wärter behaupten sie die Grenze zur Wiese. Über natürliche Steintreppen hopst mir im Wald der Lauterbach entgegen und kündigt die Steigungen an, auf denen 460 Höhenmeter zwischen Eyachtal und Traufkante überwunden werden.

Rohrgräser am Bachrand

Bachlauf über Steine

Birken am Waldrand

Gelbe Blüten

kleiner Wasserfall

Pfad bergauf

Inspiration Natur

Als die Hossinger Leiter beginnt, sind bis hoch zur Grillhütte immer wieder (Fels-)Wände mit Graffitis angesprüht. Ich weiß nicht, ob ich die “Höhlenmalereien” Willkommen heißen oder verfluchen soll. Sie wollen ein Stück “ALBB” sein, wie ein Schriftzug verkündet. Vermutlich lässt man das besser die Natur selbst regeln. Fest steht: die “Hossinger Leiter” regt offensichtlich die Kreativität ihrer (Selbst-)Besteiger an. Nicht nur Fotografen und Graffiti-Sprüher geben sich ein Stelldichein. Die Landart-Gestalter treten hier sogar in Splittergruppen auf. Immer wieder finden sich auf Baumstümpfen kleine Steintürmchen, die von Wanderern errichtet werden. “Hier ist es schön”, zeigen sie an und manchmal können sie Assoziationen mit Gestalten hervorrufen. Sei es durch Ähnlichkeiten oder durch eine Anhäufung, wie sich an einer Gasse erleben lässt, in der viele solche Steine aufeinender gelegt sind und ein ganzes Ensemble bilden.

Graffiti auf Felsen

Hütte mit Graffiti neben Grillplatz

Aufgetürmte Steine auf Baumstumpf

Qualitätswege-Treffen

Als ich oben ankomme (oder es zumindest glaube), verwandelt sich die Landschaft schlagartig und man hat einen wunderschönen Blick auf die Albhochfläche und den namensgebenden Ort Hossingen. Hier oben kommt es in Sachen Wanderwegen zum Gipfeltreffen. Nicht nur die “Hossinger Leiter”, sondern auch der HochAlbPfad “Hossinger Hochalb” führt durch die Wälder zu den Aussichtspunkten rund um den Gräbelesberg. Bei den Premiumwegen bleibt es hier aber nicht. An der nördlichen Traufkante führt auch der “Albsteig”, der Hauptweg 1 des Schwäbischen Albvereins von Donauwörth nach Tuttlingen, durch. Als zweiter Fernweg gesellt sich noch der Donau-Zollernalb-Weg dazu, der mit dem Donauberglandweg eine große Runde über die Südwestalb bildet.

Albhochfläche mit Baumreihe

Vier Wegzeichen

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Weitsicht bei Sonnenuntergang

Als es dann doch noch weiter nach oben geht, bin ich mit einem Zwischenstopp auf dem Kübelhansfelsen auf dem Gräbelesberg angekommen und werde mit tollen Ausblicken belohnt. Als ich nach unten blicke, wird mir trotz allem mulmig wegen meiner Höhenangst. Aber ich denke auch, dass ich im Herbst wieder auf den Gräbelesberg möchte, um die Bäume im bunten Laub zu sehen. Auf dem Gräbelesberg bleibe ich bis zum Sonnenuntergang. Glücklicherweise kommt es zu einem Abendrot am Horizont, das ich bis zum Untergang der Sonne genieße.

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Jetzt erweist es sich als Vorteil, den Weg im Uhrzeigersinn gegangen zu sein. Auf dem Rückweg sind es nur noch 3,5 km bis ins Tal zur Traufganghütte. Der Weg ist langgezogen, nicht zu steil und mit hellem Jurakalk geschottert, so dass es ausreichend Helligkeit gibt, bis ich im Tal bin. Zügig laufen muss ich dennoch. Die Hossinger Leiter beginnt an der Traufganghütte Brunntental in Albstadt-Laufen. Sie ist sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn gut erreichbar. Wer mit dem Auto kommt, kann hier auch länger parken, auch wenn man nicht als erstes reingeht und etwas bestellt.

Karte und Höhenprofil der “Hossinger Leiter” auf outdooractive.com

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