Passgenau rund um den Witberg

Der Sigmaringer Premiumweg Witbergrunde ist mit knapp 7 km der kürzeste der DonauFelsenLäufe. Aber er hält mit etwas Glück auch einige Überraschungen parat.

Die als Premiumweg zertifizierte Witbergrunde ist gut geeignet als ausgedehnter Spaziergang und unabhängig von der Laufrichtung mit nur einer Steigung körperlich nicht zu fordernd. Der Wechsel von Waldpassagen im Witberg und dem Uferweg im Laucherttal bietet viel Abwechslung und am Wegesrand gibt es einiges an Geschichte und Kultur zu entdecken und zu erleben.

Schritt durchs auf auffliegende Laub

Beginnend vom Parkplatz in der Nähe des Sigmaringer Krankenhauses führt der Weg regelmäßig an Aussichtspunkte. Hier kann man die mäandernde Schönheit der Lauchert auf ihrem Weg Richtung Bingen und Sigmaringendorf bewundern, wo sie in die Donau fließt. Auch gibt es einige möblierte Raststationen, um die Ruhe und/oder ein Rucksackvesper zu genießen.

Blick ins Laucherttal

Liegeschaukel mit Aussicht ins Tal

Schönheit des Welkens

Die wunderschöne Verfärbung der Blätter mit dem Vergehen eines Vegetationszyklus in Verbindung zu bringen ist faszinierend. Und es hat etwas Frieden stiftendes, sich wie die Bäume in das Schicksal der Zeit zu ergeben. Die Tatsache, dass es kein Todeskampf ist, sondern nur ein Phasenwechsel, macht die Einlassung umso einfacher. Aber auch die Tothölzer, die immer häufiger absichtlich liegen gelassen werden, entfalten im Bunt des Vergehens ihre ganze Pracht. Und obwohl sie biologisch (einigermaßen) tot sind, entfalten sie eine ästhetische Wirkung, die die Abenteuerlust und das Wilde in unseren Seelen anspricht.

umegstürzter Baum über der Lauchert

hohler Baumstamm mit Pilzen am Wegesrand

Birkenwald

Was mich auch immer wieder begeistert, sind Ansammlungen von Birken am Waldrand. Wie Leuchttürme markieren sie ihre Existenz und jedes Mal, wenn ich welche sehe, fällt mir ein Dialog zweier Freundinnen ein, der mir vor vielen Jahren in die Hände fiel: “Die Menschen sind mir fremd.” – “Ja, und ich?” – “Du? Du bist doch ‘ne Birke.”

Blick ins Lauchtertal

Waldkunsthandwerk

Gleich an mehreren Stellen begegne ich einem Phänomen, das ich in der ganzen Südwestalb immer wieder vorfinde. Das Wandern in den Wäldern, Bergen und Tälern an der Donau und auf der Alb scheint die Menschen anzuregen, Steinmännchen auf Hölzern zu errichten. Diese kollektive Kreativität lockert eine Wanderung auf und setzt der Freude kleine Denkmale, die Vorläufer in ihren Naturskulpturen teilen.

_dsc0663

_dsc0664

Passgenaue Erlebnisse

Zwei eigenartige Erlebnisse habe ich auf der zweiten Hälfte der Witbergrunde. Zu den “Hotspots” der Tour gehört eine Schutzhütte. Sie ist einfach zusammengebaut aus verschiedenen naturbelassenen Hölzern. Komischerweise beginnt es kurz bevor ich dort ankomme zu regnen. Ich nehme die Einladung an und komme so in den Genuss der Perspektive aus der Hütte heraus. Hätte es nicht geregnet, wäre ich vermutlich nicht hinein gegangen. Die Nachbarschaft bereitet mir auch eine skurrile Frage: Haben die so viel Holz vor der Hütte, damit Wandern sexy wird? Egal, einfach weiterlaufen.

Blick aus Schutzhütte

Schutzhütte mit Holzstapeln

Baumquerschnitt mit Aufschrift: Über Stark

Ein Stück später komme ich an den Waldrand, wo das sogenannte weiße Kreuz steht. Die Blumen zeigen nicht nur an, dass es gepflegt wird, sondern dass hier das Leiden Christi und das Glaubensversprechen “Im Kreuz ist Heil” lebendig gehalten wird. Und als hätt ich ein Fotoshooting mit dem lieben Gott, kommt in gleichen Moment eine Vinzentinerin vorbei, die im Wald einen Sonntagsspaziergang gemacht hat. Da geht einem ein “Grüß Gott” doch gleich viel leichter von der Zunge.

_dsc0647

Nach einem weiteren Stück komme ich zurück an den Ausgangspunkt. Ich spreche jetzt aber nicht nochmal von Vorsehung oder höherer Gewalt, nur weil ausgerechnet auf dem Parkplatz mein Auto steht.