Selbstversuch: Room 101 von Yankee & Kraut Room 101

Ein experimentelles Gebräu knapp jenseits des Reinheitsgebotes.

Als ich bei KommproBier wieder einmal den “Tag der offenen Flasche” besuche, lasse ich aus Gründen der Fahrtüchtigkeit die eine oder andere zu und nehme sie mit nach Hause. In einer von ihnen ist das “Room 101” von Yankee & Kraut aus Ingolstadt. Das ist aus zweierlei Gründen von besonderem Interesse: Bekanntlich wurde vor 500+x Jahren in Ingolstadt das Reinheitsgebot verkündet, um das sich so manche Brauer heute gerne einen feuchten Kehricht scheren oder es sogar am liebsten ganz kippen würden. Zum anderen steht natüürlich die Frage im Raum (101?), mit welchen Philosophien Gebräue jenseits des Reinheitsgebotes entstehen könnten?

room 101 mit Zuteten

Eine mögliche Antwort darauf gibt das Room 101. Der Name ist wohl eine Anlehnung an George Orwells “1984”, der den Folterkeller so nannte. Ansonsten nennt es sich “Obergäriges Spezialbier”, obwohl es nicht (nur) aus den Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe besteht, die laut Gebot und Gesetz den Namen Bier erlauben. Oder habe ich etwas nicht verstanden? Sei’s drum, es gibt tasächlich Ingredientien, die man sonst (so) nicht in den gängigen Bieren hat: obwohl obergärig nicht nur Weizen-, sondern auch Gerstenmalz. Und neben den Bier-Zutaten Wasser, Hopfen und Hefe enthält das Room 101 noch Eukalyptus, Pfefferminze, Wacholderbeere, Zitronensaft und Salz. Hat Yankee&Krauts so das Reinheitsgebot foltern wollen? “Die Ingolstädter sind hart im Nehmen und Geben”, denke ich. Naja, hier hat auch Frankenstein studiert, also rechne ich mir einige Überlebenschancen aus und gieße in entspannter Vorfreude ein.

Einschenken

Zuerst der Geruch: das Room 101 riecht sehr angenehm, die Hefe ist identifizierbar, aber keines der Gewürze sticht heraus. Angenehm fruchtige Nase wie sie typisch für obergärige Biere ist. Die Farbe ist im Grunde ähnlich experimentll wie das ganze Gebräu. Mit dem Auge wird das Experimentelle schon sichtbarer. einer Sorte zuordnen lässt sich die Farbe nicht so wirklich. Wie auch?

room 101 im Bierglas

So, jetzt Zunge und Hals. Nach dem ersten Schluck denke ich: “Genau das richtige gegen meinen Husten.” Oder anders formuliert: der Eukalyptus sticht mir zu stark heraus. Bei Aromahopfen stört mich das Intensive nicht – im Gegenteil. Hier jedoch hat’s was von Medizin, obwohl das Gebräu nach einer Weile eine intensive Fruchtigkeit im Gaumen entfaltet. Wacholder und Pfefferminze dagegen kann ich nicht herausschmecken. Alles irgendwie nicht so mein Ding. Aber es gibt ja auch Menschen, die gerne Mentholzigaretten rauchen. Fazit: leistungssportliches Qualitätsgebräu für Individualisten.

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