Caravan Salon 2019

#caravansalon2019: Sieben Perspektiven auf die Reisemobil-Zukunft

Der Caravan Salon 2019 zeigt die neuesten Trends auf dem Markt des mobilen Reisens. Wohin geht der Weg in die Zukunft?

Eines ist sicher: die Branche boomt ungebrochen, die schon seit zwei Jahren erwartete Stagnation des Marktes bleibt aus. Erklärungsversuche bringen nicht unbedingt viel. So vielfältig wie die Bedürfnisse der Mobilisti sind die Strategien und Investitionen, mit denen die Reisemobilhersteller ihre Zukunft sichern wollen. Die Toptrends sind laut Branchenverband CIVD nach wie vor die drei Ks: Komfort, Konnektivität und Kompaktheit. Insbesondere der Boom der kompakten Camper hat sich als Trend im Trend erwiesen, wie auch einige Highlights des Caravan Salon 2019 in Düsseldorf zeigen:

Globevan e.Hybrid Dethleffs #1 Dethleffs: Mit Humor und Elektrizität

Den freitäglichen Fachbesuchertag eröffneten die Allgäuer Reisemobilhersteller von Dethleffs. Sie nutzten die Stunde der frühen Vögel, um die Gäste mit einer Bio-Kunststoff-to-go-Cup zu befrühstücken und insbesondere ihren friday for future vorzustellen. Nach der Studie des e.Home Coco wurde nun auf Basis des Ford Nugget erstmals der Globevan e.Hybrid vorgestellt. Zum Nachhaltigkeitskonzept gehören neben der generellen Möglichkeit, einen kompakten Campervan in Alltag und Freizeit nutzen zu können der Hybrid-Antrieb, bei dem die elektrisch betriebene Achse bei Bedarf durch einen benzingetriebenen Generator ergänzt wird. Die kombinierte Reichweite liegt bei rund 500 km, die rein elektrische, die auch durch die Gewinnung von Rekuperations-Energie unterstützt wird, liegt bei 50 km. Damit liegt das Nutzungspotential knapp über dem Tagesdurchschnitt im alltäglichen Berufs- und Familienverkehr und macht den Globevan zum Allrounder für Natur liebende Familien.

Weinsberg Outlaw #2 Knaus Tabbert: Volles Sortiment im Innovation Hub

Die Knaus Tabbert Gruppe gehört zu den großen Vollsortimentern in der Branche, die jüngst letzte Lücken im Angebot geschlossen haben. Knaus Tabbert wächst in der Branche überproportional stark: Jedes vierte Wohnmobil kommt derzeit aus Jandelsbrunn oder den anderen Konzernstandorten. Man hat die eine Milliarde-Umsatzgrenze im Blick, 110 Millionen Euro stellt das Unternehmen für Investitionen auf.

Daneben sind sie mit Weinsberg das Unternehmen mit der längsten Kastenwagen-Tradition. Seit 50 Jahren werden die Weinsberg-CUVs (Camping Utility Vehicles) gebaut. Das Jubiläum harmoniert ideal mit dem Trend zu kompakten Fahrzeugen. Wer geglaubt hat, dass sämtiche Optionen für die Grundriss-Gestaltung ausgereizt sind, muss sich eines Besseren belehren lassen. Insbesondere die Möglichkeiten durch nicht ganz so beliebten H3-Basisfahrzeuge öffnen neue, kreative Wege. Der Weinsberg [Outlaw] beispielsweise nutzt die Höhe, um unter dem Bett eine riesige Garage einzurichten, die auch Motorräder aufnehmen kann (s. Foto o.). Andere CUVs wiederum – das gilt für Weinsberg und Knaus gleichermaßen, nutzten die Hochdächer, um über dem Fahrerhaus ein Hochbett ausfahren zu können. So bekommt man auf sechs Metern Länge vier komfortable Schlafplätze und für Menschen über 1,90 m die notwendige Stehhöhe.

Carabus MQH Hochbett Früher eher eine Domäne der Integrierten, heute auch im CUV zu haben: Bett über dem Fahrerhaus

Am Beispiel von Knaus Tabbert wird ein weiterer Trend sichtbar. Reisemobile zeichnen sich nicht mehr nur durch die Qualität des Aufbaus aus, sondern auch durch markenformende Kooperationen beim Zubehör. Knaus Tabbert stattet ab 2020 sämtliche Modelle mit Wasserfilter aus. Nicht nur hygienisch ein Goody, sondern auch zur Schonung der Leitungen. Auch die berühmt-berüchtigte automotive Anmutung hält weiter Einzug in Reisemobile. Knaus Tabbert liefert zukünftig mit Head-up-Display aus, um den Fahrkomfort zu optimieren.

BWT bestcamp Wasserfilter bestcamp-Filter werden zukünftig standardmäßig in den Reisemobilen der Knaus Tabbert Gruppe verbaut

Hmyer Vision Venture #3 Hymer VisionVenture: Reisen aus dem Drucker

Den spektakulärsten Auftritt – zumindest in der Kompakt-Klasse – hat Hymer hingelegt. Vordergründig sieht er aus wie ein Kastenwagen, doch die Proportionen zeigen schnell, dass es sich um einen kompletten Neuaufbau handelt. Das Concept Car VisionVenture ist in Kooperation mit BASF entstanden und der Aufbau kommt in vielen Teilen aus dem 3D-Drucker. Die Farbe hat spezielle thermische Eigenschaften und erlaubt individuellere Farbgebung. Das pneumatische Dach lässt sich mit Hilfe beheizbarer Luft in Wabenstruktur-Kammern aufstellen. Beim Interieur hat man Naturmaterialien und Kunststoffe zusammen gebracht und zahlreiche Elemente aus der Selbstausbauer-Community adaptiert. Das schafft eine Landhaus-Atmosphäre gepaart mit Specials wie der aufklappbaren Heckterasse mit Auszieh-BBQ und der Dachterasse vor dem Schlafraum. Das Natur-Abenteurer-Vehikel sitzt auf einem Allrad-Sprinter-Chassis, von dem lediglich Kühlergrill, Leuchten und Türen übernommen wurden. Kurzum: ein Edelfrosch, den man nicht mehr wachküssen muss, weil er bereits ein Prinz ist. Dennoch: auf dem Markt frühestens 2025.

Hymer Vison Venture Interieur Interieur = Exterieur: der VisionVentre spielt mit den Begrenzungen zwischen Fahrzeug und Umgebung

Vöhringer Conceptcar 2020 #4 Vöhringer: der etwas andere Conceptvan

Es liegt in der Natur der Sache, dass Konzeptfahrzeuge das Image und die Visionen ihrer Hersteller zeigen sollen. Nicht so bei Vöhringer. Wahrlich im letzten Eck des Caravan Salons in Halle 13 stellte das Trochtelfinger Unternehmen seinen Conceptvan 2020 vor. Dabei geht es aber weniger um das Fahrzeug als Ganzes, sondern um die verwendeten Materialien, schließlich hat man es hier mit dem Weltmarktführer in Sachen Leichtbau zu tun, der nicht nur im Aufmerksamkeitswettbewerb, sondern auch auf der Schwäbischen Alb ein unauffälliges Dasein führt. Dennoch: der Conceptvan demonstriert, wie durch konsequenten Einsatz von Leichtbaulösungen bei Verkleidungen, Möbelbau und Böden. Beworben wird die Gewichtsersparnis beim Möbelbau von 30% mit der damit einhergehenden CO2-Ersparnis. Das Nachhaltigkeitsargument hat aber noch weitere Vorteile: mehr Zuladung, leichtere Realisierung von besonderen Ansprüchen ohne die 3,5 Tonnen-Grenze zu überschreiten oder Ähnliches.

Vöhringer Conceptcar 2020

Bürstner Harmony Line #5 Bürstner: Wohnfühlen to go

Als Mitglied der “Örwin Heimer Group” – wie das wohl seit der Übernahme durch die Thor Gruppe heißt – profitiert Bürstner von den Entwicklungsarbeiten bei Hymer und legt den Lyseo jetzt auch auf Sprinter-Chassis auf. Der Lyseo M bietet damit auch eine Variante mit den zahlrreichen Asisstenzsystemen und er ist für die designorientierte Kundschaft von Bürstner ausschließlich in der Harmony Line erhältlich. #wohnfühlen lautet dabei beständig das Basiskonzept und auch Bürstner steigt in den Zug derer, die sich markenbildendes Zubehör zulegen. Dazu gehört auch die pfiffige Ambiente-Leuchte, die über eine Magnetkugel am Aufbau befestigt ist. Bei Bedarf wird sie einfach abgezogen und für andere Zwecke eingesetzt, sei es als stehende Tischleuchte, in einer verwinkelten Leseecke, in der Garage oder beim nächtlichen Toilettengang auf dem Campingplatz.

Leuchte to go

Landvergnügen Cover Ausschnitt #6 Landvergnügen: Vignette to stay für Genießer

Foto: Landvergnügen
Landvergnügen ist eines der überzeugendsten Konzepte, die ich je kennen gelernt habe. Es funktioniert ganz einfach: Mobilisti kaufen sich ein Landvergnügen-Buch und können damit von März bis März einer laufenden Periode bei allen teilnehmenden Bauernhöfen, Brauereien, Wirtshäusern, Hofläden oder dergleichen für eine Nacht kostenlos auf Privatgelände stehen. Die Berechtigung wird durch eine Vignette am Wohnmobil kenntlich gemacht. Zusätzlich erhalten Reisende einen Zugangscode zu einer App, mit der man sein Landvergnügen in unmittelbarer Nähe leichter findet. Und Nein, es geht nicht darum kostenlose Stellplätze zu verscherbeln, sondern Wohnmobilisten kulinarische und kulturelle Highlights zu vermitteln. Es gibt zwar keinen Kaufzwang vor Ort, aber es handelt sich um ein Konzept für Genießer, nicht für Entenklemmer. Die Teilnahme im Buch ist für Standortbesitzer kostenlos, das Projekt lebt alleine von den Buchverkäufen. Demnächst mehr dazu auf unseren Seiten, wenn wir den einen oder anderen Anbieter getestet haben.

#7 Und was wird 2030+? Deutsches Caravaning Institut stellt Studie vor

Die ganze Branche schwimmt auf der Erfolgswelle. Wie überall anders auch ist man froh, wenn die viele Arbeit bewältigt wird. Für einen Blick in die Zukunft ist da meist wenig Zeit. Deshalb haben sich Prof. Josef Fischer und das Deutsche Caravaning Institut den Zukunftsfragen rund ums Reisemobil gestellt: Was passiert, wenn der Markt stagniert? Welche technologischen Entiwcklungen sind zu erwarten? Wird es neue Materialien geben? Wie entwickelt sich die Verkehrsinfrastruktur? Wie wird sich das Reiseverhalten angesichts des demografischen Wandels verändern? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die weitere Zukunft? Antowwrten auf diese und viele andere Fragen sucht der Zukunftsreport Reisemobile 2030+. Auf dem Caravan Salon haben Prof. Fischer und das Deutsche Caravaning Institut ihre Studie vorgestellt, in Kürze dazu auch mehr an dieser Stelle.

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