Dethleffs bleibt auch in der Studie c.core mit bionischen Wänden, Solarblume und Wasserkreislauf Innovationstreiber im nachhaltigen Reisemobil-Bau.
Veröffentlicht am
Die Zukunfts-Themen im Dethleffs c.core

Der c.core im Dethleffs-Reiseziel Zukunft
Wer Industrie nicht als Beamtentum, sondern als Innovationszentren versteht, ist bei Dethleffs genau richtig. Seit fast zehn Jahren entstehen hier innerhalb der Erwin Hymer Group kreative Studien unter dem Motto „Reiseziel Zukunft“. Die Meilensteine dieses Programms bestehen aus dem Solarmobil e.home (2017), dem selbst angetriebenen Wohnwagen e.home Coco (2018), dem Reisemobil e.home eco (2025), dem Klappcaravan c.fold (2026) und jetzt dem Reisemobil c.core, das 2026 auf dem Caravan Salon in Düsseldorf erstmals vorgestellt wurde.
Als Dethleffs Reise in die Zukunft begann, waren die Ziele stark auf die vollelektrische Ausrichtung fokussiert. Im Zuge des Siegeszuges von E-Autos muss die Reisemobil-Branche jedoch Rückschläge hinnehmen und auch das Publikumsinteresse scheint nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren. Der c.core greift andere Nachhaltigkeits-Themen auf. Leichtbau, Recycling, autarke Elektrizität, Wasseraufbereitung oder nicht-fossile Brennstoffe kommen auf den Prüfstand. Der c.core versteht sich deshalb auch als Experimentierfeld, als mobile Versuchsplattform, bei der Technik und Materialien getestet, weiterentwickelt oder auch wieder verworfen werden. Probieren geht schließlich über Studieren.
Bionik-Leichtbau nach Vogelknochen

Das erste Experimentierfeld gilt den Aufbauwänden. Sie müssen immer zwei Dinge liefern: Steifigkeit für den Wohnbereich und Dämmung. Es steht aber nirgendwo, dass sie nicht hohl sein dürfen. So wie Vogelknochen. Der Aufbau besteht deshalb aus dem patentierten Necto. Das Material kombiniert zwei Aluminiumbleche von je 0,8 Millimetern Dicke als Trag- und Deckschicht. Ein nicht wärmeleitender Klebstoff verbindet sie punktuell.
Die Steifigkeit entsteht durch die bionische Formgebung, die Dämmung aus den eingeschlossenen Luftkammern. Blech mit kreisrunden Öffnungen, in denen ausgestanzte Metallformen sitzen, die an die inneren Formen von Vogelknochen angelehnt sind und die Stabilität und Leichtigkeit erzeugen. Im Innenbereich eine zusätzliche Dämmung sowie ein grauer Textilbezug schließen die Luftkammern ein. Die Luft zwischen den Blechen dämmt ähnlich wie eine Doppelverglasung.

Dethleffs rechnet für den Aufbau eines sieben Meter langen Reisemobils mit moderaten 25 bis 45 Kilogramm Gewichtsersparnis. Dabei wird betont, dass man noch keine genauen Zahlen dazu hat – und die Finger will man sich auch nicht verbrennen. unter vorgehaltener Hand wird aber mit Kilogramm oder sogar mehr Potenzial gerechnet. Im Reisemobilbau eine gewichtige Ansage.
Die Dämmung besteht aus recyceltem PET: rund 45 Quadratmeter, nach Herstellerangabe das Material von etwa 1.800 Flaschen. Ein Rechenspiel demonstriert die Größenordnung, die das zur Folge haben kann: Eine PET-Flasche wiegt 10 bis 30 Gramm, 1.800 Flaschen ergeben durchschnittlich rund 35 Kilogramm pro Fahrzeug, die nicht aus neuen Ressourcen bezogen werden müssten. Europaweit bedeutet das bei etwa 130.000 Neuzulassungen pro Jahr (ohne Kastenwagen) eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft um etwa 4500 Tonnen ohne Schwund bedeuten.
600 Watt Solarblume, Markise inklusive

Anstelle der gängigen Solar-Panele hat Dethleffs auf der c.core-Studie eine Solarblume installiert. Während der Fahrt liegen die Module flach unter der Dachreling und liefern in begrenztem Umfang Strom. Im Stand schiebt sich das größte Paneel auf der Beifahrerseite seitlich heraus, links und rechts davon fächern weitere Module auf. Der Fächer spendet Schatten und übernimmt die Funktion der Markise. Das bedeutet weitere Gewichtsersparnis.

Dethleffs nennt für die Solarblume bis zu 600 Watt Ladekapazität unter optimalen Bedingungen. Gespeichert wird in vier Feststoff-Lithium-Batterien mit mehr als 400 Amperestunden bei 12,8 Volt, rund 5,2 Kilowattstunden. Als Benefit nennt Dethleffs höhere Energiedichte: gleiche Kapazität bei weniger Bauraum. Auch wenn die konkreten Messzahlen noch fehlen: Die Konstruktion ist eine Ansage in Richtung Autarkie, dürfte aber angesichts leistungsstarker Verbraucher im gasfreien Betrieb noch weitere Zurüstung bedürfen.
Wasserkreislauf und Heizung: gasfreie Autarkie
Frischwasser befindet sich im Dethleffs c.core in einem Kreislauf. Der Frischwassertank versorgt Küche, Waschbecken und Dusche. Aus dem Grauwassertank führt eine Aufbereitungsanlage das benutzte Wasser durch mehrere Filterstufen zurück in den Frischwassertank. Die Technik sitzt zugänglich in der Heckgarage, um die Filter wechseln zu können.

Die Kapazität der Filter wird aus hygienischen Vorgaben heraus nicht in Litern, sondern in Intervallen angegeben. Diese variieren bei den jeweils eingesetzten Filtern. Die Leistungsfähigkeit hängt auch von der Wasserqualität ab, sprich seinem Härtegrad oder Chlorgehalt. Als Mindestintervall wird rund ein halbes Jahr, also eine Sommer-Saison aufgerufen. Das Potenzial besteht also in Ressourcenschonung und Autarkie. Die Toilette gehört freilich nicht zu diesem Kreislauf.
Infobox Aus der tourstory.de Redaktion
- Eine weitere Dethleffs-Studie: der nachhaltige Klapp-Caravan c.fold
- Bislang einzigartig: Iridium e-V25, das vollelektrische Wohnmobil
- ADAC informiert: Wohnmobil überladen: Diese Strafen drohen in Europa
- [Werbung]: Camping-Zubehör gibt es im Fritz Berger-Shop

Beheizt wird der c.core mit einer Truma Combi D, die hydriertes Pflanzenöl verbrennt. Das Fahrzeug ist also gasfrei unterwegs, gekocht wird per Induktion, drinnen wie draußen. HVO eliminiert den fossilen Anteil, aber fossilfrei wird das innovative Wohnmobil dadurch noch nicht, als fossiler Verbrennungsprozess bleibt der Antrieb.
Sitzgruppe und Küche: Möbel, die verschwinden


Auch der Möbelbau und die Polsterung werden im c.core auf den Prüfstand und weiteren Ideen gebracht. So lässt sich beispielsweise Sitzbank zur Wand schieben, der Gang wird dann 30 Zentimeter breiter. Die Sitzbank kann zur Chill-out-Lounge wechseln. Die Rückenlehne besteht aus senkrechten Wülsten, die als Kanneluren-Struktur benannt ist. bei dieser Eigenentwicklung ziehen sich die Polster wie bei einer Ziehharmonika über der Sitztruhe zusammen. Dennoch bleiben zwei Gurtplätze erhalten. Die Tischplatte hängt frei tragend an der Seitenwand.

TV-Screens sind out, im c.core projiziert ein Ultrakurzdistanz-Beamer auf eine Leinwand über der Aufbautür. Ein Kippfach für Schuhe in der Sitzbank neben der Aufbautür sorgen für eine effiziente Nutzung des Eingangsbereichs. Der Küchenblock wirkt geschlossen wie ein Sideboard. Eine graue, matt schimmernde Arbeitsfläche mit gerundeten Kanten liegt auf einem Korpus in dunklem Holzdekor, eine LED-Leiste umläuft den Sockel. Die Arbeitsfläche wird zur Seite geschoben. Das greift den Trend auf, dass Kochfelder nicht zwingend immer zugänglich sein müssen und stattdessen nützlichen Flächen Platz machen. Zwei kleine rote Markierungen zeigen, wo gekocht wird.


Auch das leidige Thema Mülltrennung greift Dethleffs auf. Ein Auszug nimmt zwei Behälter zur Abfalltrennung auf. Gekühltes kommt aus einer 100-Liter-Schublade an der Stirnseite, erreichbar von innen und außen.
Im Innenausbau setzt Dethleffs vor allem auf neue Oberflächen. Die Badrückwand trägt ein digital bedrucktes Fliesenbild in Grün- und Aquamarintönen, das laut Hersteller kein Zusatzgewicht bringt. Das Waschbecken in Steinoptik lässt sich drehen. Oberschränke und Fensterverdunklung tragen Stoffbezug. Reisemobil International schreibt, vorrangig kämen recycelte Wertstoffe oder nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz, ohne Anteile zu nennen. Neue Werkstoffe im engen Sinn sind Necto und die PET-Dämmung. Der Innenraum arbeitet mit bekannten Materialien in neuer Optik.



Maße, Gewicht und Basisfahrzeug
Die Maße der c.core Studie sind aktuell nachrangig. Es geht um ein Experiemtierfeld. Für die Länge dient dem Hersteller ein rund sieben Meter langes Reisemobil. Die Basis des c.core stellt der VW Crafter 4×4 auf bronzefarbenen Felgen. Dethleffs behandelt auch das Basisfahrzeug als Träger, nicht als Thema. Was Dethleffs ins Reiseziel Zukunft einfließen lässt, bleibt aktuell offen und ist auch Gegenstand von Kundenbefragungen. Bis 2028 sollen serienfähige Freizeitfahrzeuge entstehen.

Infobox Alles, was Recht und sicher ist
- Dekra Ratgeber: Gasprüfung: Sicher unterwegs mit dem Wohnmobil
- Deutsches Institut für Service-Qualität: Test Wohnmobilversicherungen 2026
- [Werbung] Reiseversicherungen: Tarife bei VisitorsCoverage und HanseMerkur vergleichen
tourstory.de
Buchtipp: Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck
Alfons Schweiggert: Der Ludwig II. Prozess – die Schuldigen an der Königskatastrophe
111 Orte Ludwigs II. die man gesehen haben muss
Gelesen: 111 Biere aus Baden-Württemberg, die man getrunken haben muss
Projekt Freiheit – Memmingen 1525 (HDBG Magazin N°13)
Gesundheit aus dem Garten Gottes