Hopfen. Malz. Kurpfalz: eine Bierreise Zapfhahn vor Bierregal

Die Kurpfälzer sind nicht verlegen, dem Genießen – also der Sünde ohne Reue – das Wort zu reden: „Esse un Trinke is aach schaffe“. Da startet es sich doch besten Gewissens in eine Genussfahrt.

Wir tauchen mit einem alten Postbus in das 500jährige Jubiläum des Reinheitsgebotes ein und lernen die Kurpfalz als Bierregion kennen. Das simple Protokoll klingt dröge: drei Tage, sechs Brauereien, 19 verkostete Biersorten und keine Ahnung wieviel Wirtschaften. Besser der Reihe nach:

Hopp, Hopp, Hoppe zoppe

Das Hoppe zoppe, also die Ernte und das Aussortieren der weiblichen Hopfendolden zum Brauen, war früher Schwerstarbeit. Die Bierausstellung im Schwetzinger Karl-Wörn-Haus würdigt das Hopfenzupfen ebenso wie die Landesausstellung im benachbarten Mannheim: Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot. Sie vermitteln umfassende Einblicke in die Geschichte, das Handwerk und die Kultur des Bieres.

Blick durch grüne Glasscheibe

Im Technoseum werden zahlreiche Themen der Technikgeschichte gezeigt. Das Jubiläum des Reinheitsgebotes wird mit einer Sonderausstellung gewürdigt.

Unser Brauereihopping beginnt in Mannheim und wir lernen schnell, dass SAP-Mitgründer Dietmar Hopp auch auf die Brauereilandschaft in der Region Einfluss genommen hat. Kein Wunder, ist bei diesem Thema schon sein Name quasi Programm.

Eichbaum: schulmeisterlich

Wenn eine Brauerei so groß ist, dass man vor Verirrung auf dem Firmengelände gewarnt wird, weiß man: hier geht es gleich in die Vollen. Wir lernen die Härten des Biermarktes kennen, probieren die Vielfalt der Sorten und machen ein Bierdiplom. Für Romantik ist in Großanlagen mit etwa 250 Mitarbeitern wenig Platz. in den 1990ern, während einer Krise im nicht enden wollenden Brauereisterben, schien tatsächlich Hopfen und Malz verloren. Eichbaum war damals Teil von Henninger. Selbst als Dietmar Hopp 1999 als Investor einspringt, rechnen im Krisenjahr 2009 bei Eichbaum viele damit, dass sie von den Eignern abgewickelt werden. Es kommt anders: Dietmar Hopp investiert noch einmal und die Eichbaum-Brauerei wird in der Region als autonomes Unternehmen erneuert.

Dunkles Hefeweizen für den chinesischen Markt

Dunkles Hefeweizen für den chinesischen Markt

Will man einen Betrieb, seine Mitarbeiter und seine Tradition behalten, sind größere Brauereien stärker exportabhängig. Das meint natürlich nicht die Abhängigkeit von der Sorte Export, sondern bei Eichbaum den 60%igen Export des Ausstoßes nach China. Dafür fahren Produktion und Kapazität aktuell auf 100%. Das ist in Brauereien heutzutage eher selten.

Eichbaum Raeuberbier auf Tresen Unser persönlicher Gastgeber ist Nikolaus Satter, langjähriger Brauer und Mälzer bei Eichbaum, der heute Gruppen durch die Brauerei führt. Schon vor dem Gespräch genießen wir ein erstes Fläschchen: das rote Räuberbier. Die Farbe (die vom rötlichen Malz kommt) ist ungewöhnlich. Dennoch hat sich das Räuberbier seit 2008 durchgesetzt und behauptet. Nicht nur der Geschmack gibt ihm Recht. Ich weiß zwar nicht, ob man bei der Namensgebung damit gespielt hat, aber bei Räuberbier fällt mir sofort ein, dass Schillers Stück “Die Räuber” in Mannheim uraufgeführt wurde. Noch mehr Erinnerungen an die Schulzeit kommen, als Nikolaus Satter uns Bier-Unterricht erteilt.

Bier-Untericht mit Nikolaus Satter in der Brauerei Eichbaum

Es gibt eine umfängliche Bierprobe, bei der wir Ureich Pils, Kellerbier, Export, Weizen, Räuber, Apostulator Bock und Crafted Doppelbock verkosten und den Brauprozess besser kennen lernen. Aufpassen empfiehlt sich, denn er kann schon mal nachfragen: “Hann se des verstande? Könne se nommal wiederhole?” Tja, wohl dem, der keine Zensuren mehr braucht. Aber das Zuhören lohnt sich. Bier ist ein interessantes Thema und Menschen wie Nikolaus Satter kann man ein Loch in den Bauch fragen. Beim Test für das Bierdiplom muss man verschiedene Fragen beantworten, um das begehrte Papier zu erhalten. Die Fragen sind nicht ganz einfach, aber die Regeln großzügig: Reden ist erlaubt, Fehler beim Nachbarn abschreiben nicht. Mir gefällt die Transparenz, mit der Eichbaum seine Position im momentanen Hype um Regionalität und Reinheitsgebot behauptet.

Mittendrin: Brauhaus zum Ritter

Am nächsten Tag sind wir in Schwetzingen. 2016 feiert die Stadt ihr 1250jähriges Gründungsjubiläum. In Schwetzingen gehört zum Fass- auch der Spargelanstich – und natürlich das Schloss.

Orangerie des Schwetzinger Schlosses im barocken Garten

Ende April sind die ersten Stangen des königlichen Gemüses auf dem Wochenmarkt zu haben. Dort steht auch das Spargeldenkmal, hinter dem ich direkt neben dem Schloss eine Gasthausbrauerei entdecke.

Sudkessel in der Gaststätt des Brauhaus Ritter

Die Hausbrauerei Ritter steht nicht auf unserem Programm, aber sie macht mich dennoch neugierig. Ich will schnell eine kleine Kostprobe nehmen, aber am Vormittag wird noch aufgebaut, also bleibt’s bei einem Foto des schönen Gastraumes.

Welde macht die Welle

gewellte grüne Flaschen

Welde ist bekannt für kreative Marketingstrategien. So hat man beispielsweise eine eigene Flaschenform (samt Pfandsystem!) entwickelt, um den Welde-Bieren ein unverwechselbares Aus- und Ansehen zu geben.

Offenheit für gehobene Ästhetik gibt es in der familiengeführten Braumanufaktur Welde seit Generationen. Das ursprüngliche Stammhaus in der Schwetzinger Innenstadt wurde im Bauhaus-Stil errichtet, auch hat man bis vor Kurzem einen eigenen Kunstpreis ausgelobt. Seit man beim Craft-Bier eingestiegen ist, ist eher die Braumanufaktur selbst das Atelier des Hauses. Das gesamte Auftreten appeliert nicht nur an den Durst, sondern auch an den Geist.

Dr. Spielmann, Chef der Welde-Brauerei

Dr. Hans Spielmann, Inhaber und Geschäftsführer der Welde-Brauerei

Besonders beeindruckt bei Welde der Mix aus Produktentwicklung, Arbeitsethik, Design und Architektur, um deutlich zu machen, dass Welde-Bier nicht nur gebraut und verkauft, sondern auch gelebt wird. Das können andere Brauereien vielleicht auch, aber das Image hat bei Welde sehr wenig von dunkel-zünftiger Bierseligkeit, sondern zeigt sich in einem ganz modernen Zuschnitt. Man darf dabei nicht vergessen: Brauereien sind Produktionsfabriken und bei Welde hat man umfangreich in die Bierwelt investiert, um sie auch als Erlebnisort zu installieren.

Welde ist sinnliche Kunst zum Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken

Überall im Haus sind Aussagen über die Philosopie von Welde platziert.

Zapfanlage in Wellnessdesign

Welde-Wellness für alle Sinne: In der Bierwelt kann man zahlreiche Events buchen.

Dreierpack Bier vor Holzfass

Das Welde-Craft-Beer-Trio “Hop Stuff”, “Badisch Gose” und “Bourbon Barrel Bock”, das im Holzfass reift.

Einschenken in Biersommeliergläser

In einem alten Gärkeller verkosten wir die exklusiven Craft-Biere

Am wichtigsten bleibt aber immer noch das Geschmackserlebnis. Ein Beispiel: Hop Stuff ist ein kaltgehopftes helles Lager. Seine Limetten- und Melonen-Aromen geben dem (nach dem Reinheitsgebot) gebrauten und naturbelassenen Kellerpils eine sommerlich-fruchtige Frische. Es übertrifft für meinen Geschmack so manches India Pale Ale, weil einfach das Maß zwischen Hopfigkeit und Bitterkeit stimmiger ist. Auch die (typo-)grafische Aufmachung der Biere überzeugt. Der Stil der Flaschenetiketten ist puristisch, spiegelt etwas von der Ursprünglichkeit, die diesen Bieren anhaftet und auch das Wording gefällt mir. Ich muss freilich googeln, denn der Untertitel “Ella+Equinox” klingt für mich geheimnisvoll. Es handelt sich aber nicht um einen werblichen Neologismus, sondern meint einfach die beiden verwendeten Hopfensorten. Einfach, klar, bildend für Nichtkenner und inhaltsstark für Kenner. Wenn’s ums Geschäft geht, bremst Dr. Spielmann allerdings die Euphorie: “Mit unseren Craft-Bieren verdienen wir frühestens in zwei, drei Jahren Geld. Aber wir wollen jetzt dabei sein”, sagt er dazu. So etwas geht auch nur in inhabergeführten Unternehmen. Ein angestellter Geschäftsführer könnte solche Risiken gegenüber den Gesellschaftern kaum wagen oder durchsetzen. Meine Zunge bleibt ökonomisch indifferent: leckergeil, das Weldebier, also auch ein Riesenkompliment an die Brauer.

An der Quelle: Brauerei zum Klosterhof

In Heidelberg fahren wir erst ein Stück den Neckar entlang, um das Stift Neuburg zu besichtigen. Die Neuburg hat viele weltliche und geistliche Phasen erlebt.

Klostergarten

Stift Neuburg

Seit den 1920er Jahren befindet sich hier eine Benediktiner-Abtei. Sie ist die letzte Gründung des Beuroner Erzabtes Raphael Walzer OSB, der nach Konflikten mit den Nazis sein Abbatiat beenden musste, nach Frankreich und Nordafrika ging und hier in Neuburg ab 1964 auch seine letzten Jahre verbrachte. Der erste Abt von Neuburg, Adalbert von Neipperg OSB, musste ebenfalls 1934 aus politischen Gründen emigrieren und erlitt 1948 in einem slowenischen Kriegsgefangenenlager das Martyrium. Zur 2009 gegründeten Brauerei zum Klosterhof gibt es vordergründig einen lediglich örtlichen Zusammenhang.

Gruppe vor Brauerei

Till Barucco, genannt der Bierzauberer, stellt uns die Heidelberger Brauerei zum Klosterhof vor.

Im ehemaligen Viehstall des Klosters wird hier zum ersten Mal gebraut, was etwas verwunderlich ist. Denn die Brauerei und das Kloster verfügen über eine gemeinsame Quelle mit hervorragendem Wasser. Während die Mönche versuchen, in diesem (geweihten) Wasser die Taufgnade zu verbreiten, braut das Team des Klosterhof Bio-Bier daraus. Da zeigt sich, dass es doch immer an den Personen hängt, wo etwas entstehen kann.

Junger Mann vor Flaschenboard

In der Brauerei Klosterhof wird von Hand ettiketiert.

Auf einem alten Blechschild in der Brauerei steht: “Flaschenbier auf die Straße”. Das trifft das Konzept des Teams ziemlich gut, denn die Bio-Bier-Brauer arbeiten nicht nur mit zertifizierten Zutaten und qualitativ hochwertigem Wasser, sondern sie verzichten auch aufs Pasteurisieren. Dadurch reduziert sich die Haltbarkeit, erhöht aber zugleich die geschmackliche Qualität. Hier zeigt sich eine der Chancen für sehr kleine Brauereien. Kleine Ausstoßmengen werden direkt verkauft und können auf lange Haltbarkeit und Lagerung (zum Verkauf, nicht zur Reifung!) verzichten. Die Heidelberger Bürger (und auch die Gäste) ziehen mit und haben sich teilweise die 1-Liter-Flaschen der Brauerei zum Klosterhof schon zu ihrem Hausbier gemacht. Die Brauerei ist mit dem Kloster, ihrer Gaststätte und dem Hofladen zwar auch ein beliebtes Ausflugsziel, aber man muss sie nicht unbedingt jedesmal den Weg auf den Berg auf sich nehmen. Anfangs lehnten es die Heidelberger Supermärkte ab, das etwa drei Wochen haltbare Bier in ihr Sortiment aufzunehmen. Da hat man aber die Rechnung ohne den Kunden gemacht, der ohne Marketing-Initiative der Brauerei so lange in den Supermärkten nachgehakt hat, bis diese auf die Brauerei zu kamen.

So hat die Brauerei ihre wirtschaftliche Grundlage erweitert und sich zugleich auch gewisse Freiheiten zur Bewahrung ihres Gründergeistes erarbeitet. Neben einigen Standardsorten (die an sich schon einen wunderbar-frischen Geschmack bieten) ist man auch in die saisonale Produktion von (Craft-)Bieren eingestiegen. Besonders ragen die hauseigenen Siegelbiere heraus, die aufwändig in Holzfässern hergestellt werden. In den Fässern verschmelzen die eingesogenen Holznoten von Sherry, Whisky, Weiß- und Rotwein mit den Aromen der eigens dafür gebrauten Starkbiere. Bei einer Limitierung von maximal 600 Flaschen je Sorte hat das seinen Preis. Wer aber ins Bierkennen einsteigt, wird schnell schleckig und lernt, dass man nicht alles auf dieser Welt ausprobieren kann. Alleine das ist schon Grund genug, wählerisch zu werden.

Heidelberger Schlossg’heul

Einen skurrilen Abend erleben wir im “Roten Ochsen”. Der war früher die Wirtschaft schlechthin der farbentragenden und schlagenden Studentenverbindungen. Dieses Image wird nach wie vor gepflegt, auch wenn die Verbindungen heute längst nicht mehr im Roten Ochsen politisieren bzw. ihre Mitglieder vernetzen. Die Einrichtung aus Verbindungsfotos, Bismarck, badischen Fahnen und Holzschnitzereien ist zwar historisch-kaiserlich, aber die Flaggen der Verbindungen von heute wehen vor anderen der zahllosen Heidelberger Kneipen. Der Rote Ochsen scheint also eine touristische Folklore-Veranstaltung zu sein.

Tisch mit Schnitzereien, gestapelten Tellern und Bier

Wie auch immer: die hier aktive Brauerei Heidelberger (früher auch Schloßquell) ist das zweite Brauereiprojekt in der Kurpfalz, das Dietmar Hopp durch sein Engagement restituieren konnte.

Wirtshausschild Heidelberger Schlossquell

Noch skurriler wird die Szenerie durch das Auftreten des Brauereichefs von Heidelberger. Er begrüßt uns als Gastgeber, obwohl wir – wie ich später erfahre – überhaupt nicht verabredet waren. Vervollständigt wird noch mit Teilen der Verwandschaft und der Lehrlinge. Folge: ein Teil unserer Gruppe muss an einen Nebentisch. Bei einem Haufen Individualisten ist das nicht unproblematisch. Es stellt generell eine Schwierigkeit dar, solch eine Gruppe einigermaßen zusammen zu halten, weil jede/r variierende Schwerpunkte, Wahrnehmungen und Ausdrucksformen mitbringt. Außerdem wollen sich die Gastgeber und Kooperationspartner ja präsentieren, was über zwei Tische in einer Kneipe im vollen Betrieb, mit Klaviermusik und selbsternanntem Conferencier quasi unmöglich ist. Das Ganze gipfelt dann in den Beschwerden des Bierproduzenten bei den Kollegen, dass Heidelberger von unserem Veranstalter nicht in die Reise eingebunden wurde. Doris hat einen legitimen Grund, heute Abend früher zu gehen. Der geht mich zwar nichts an, aber er genügt mir (und zwei Kollegen), um in ihrem Kielwasser die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen. Äh, ja, Bier gibt es hier auch.

Als wir wieder auf der Hauptstraße sind, denke ich: “‘s Minderschd hemmer” (=Das Schlimmste ist geschafft). Doch dann entdecke ich im Aprilregen Käthes Schaufenster mit knallheller Weihnachtsdeko, das gerade ein Nachtwächter mit kerzenbetriebener Lampe und Hellebarde passiert. “Irgendwie a bissle gaga hier”, denke ich jetzt und freue mich lieber am Ausstattungshumor meines Zimmers im Hip-Hotel.

In der Gasthaustradition: Kulturbrauerei Heidelberg

Mitten in der Altstadt von Heidelberg steht die Kulturbrauerei in der Tradition der Brauereigasthäuser. Neben dem Schank- und Bewirtungsbetrieb unterhält man auch ein Hotel. Auch das Bier von hier gibt es auf die Straße oder wird in besonderen Partybundels gemeinsam mit einem Vesper auf die Straße verkauft (Exklusive Zielgruppe: Halbzeitbedürftige). Die kleinen Sude erlauben auch hier den Verkauf von nicht pasteurisiertem Frischbier.

Halle mit Tischen

Die Inneneinrichtung steht in der Tradition des Hauses und schafft durch die Kronleuchter und Wandmalereien eine besondere Atmposphäre

Das Sudhaus ist ein Neubau und entsprechend modern. Jeder Tank im Lager hat eine eigene Kühlung, die unabhängig von der Raumtemperatur gesteuert werden kann. So kann man auf kleinem Raum unter- und obergärige Biere unabhängig von der Reifezeit einlagern. Das spart eine Menge Platz, wenn man bedenkt, dass es Temperaturunterschiede von 10-15° bei der Gärung gibt.

Einschenken aus 2-Liter-Syphon

Die Kurpfalz, eine Bierregion mit starken Überraschungen

Bier spielt in klassischen Weinregionen oft in vornehmer Zurückhaltung die zweite Geige und der Bierreichtum dieser Destinationen kommt nur zu besonderen Anlässen ans Licht. Seit letztem Jahr habe ich zehn bis zwölf Brauereien kennen gelernt und selbst wenn sich die “Basics” des Brauhandwerks wiederholen, so gibt es doch in jeder Brauerei auf ihre Art vertiefende Dinge kennen zu lernen. Jeder sollte einmal eine Brauereiführung, ein Brauseminar oder eine Verkostung mitmachen. Fast jede Brauerei bietet solche Erlebnismöglichkeiten an. Bier ist ein unerschöpfliches und komplexes Thema, das für (Wissens-)Durstige immer etwas zu bieten hat.

500 Jahre Reinheitsgebot – endlich Ende oder neuer Anfang?

Das Jubiläum des Reinheitsgebotes bietet eine Menge Gelegenheiten, sich über die Sinnhaftigkeit dieses (modifizierten) Lebensmittelgesetzes Gedanken zu machen. Das Jubiläum lädt aber auch ein, sich von bisherigen Biererfahrungen zu lösen und Verstand und Sinne für Sortenvielfalt, Brauhandwerk und Kultur des Bieres zu öffnen.

Mittelalterliches Buch

In der Mannheimer Ausstellung zeigt eine Originalabschrift des bayerischen Reinheitsgebotes von 1516.

Viele Faktoren des Reinheitsgebotes spielen heute eine untergeordnete Rolle. Keiner fragt mehr nach Wasserreinheit, königlichem Weizenmonopol, Panscherei oder geordnetem Einsatz zur Vermeidung von Hungersnöten. Andererseits sind Befürchtungen, wonach es dann zum Verschnitt mit qualitativ minderwertigen Substanzen kommt, auch nicht unbegründet. Die Grundsatzdebatte, ob man das Reinheitsgebot kippen soll oder nicht, scheint die Brauer selbst aber gar nicht sonderlich zu beschäftigen. Sie bleiben ihrer Selbstverpflichtung treu und sie zeigen, dass man exclusive (Craft-)Biere auch in den Grenzen des Reinheitsgebotes herstellen kann. Bereits hier sind die kreativen Möglichkeiten unerschöpflich und man bleibt zugleich in einem Qualitätsstandard, der weltweit ein Alleinstellungsmerkmal und eben Teil der hiesigen Bierkultur ist. Letztlich bleibt die Frage, ob man sein Produkt “Bier” nennen will oder nicht. Dennoch bleiben Grenzfälle. Biersommelier Alex Giammarinaro erklärt das an einem Beispiel: “Wenn ich Bier in einem Sherryfass ausbaue, um es beispielsweise mit Kirscharomen anzureichern, darf ich es nach wie vor Bier nennen. Wenn ich es aber in einem Stahltank mit frischen Kirschen einlagere, breche ich das Reinheitsgebot und darf es nicht mehr Bier nennen.” Die Diskussionen hierzu werden weitergehen…

Wer in diesem Artikel mahnende Worte zum Maß des Biertrinkens vermisst, möge höflich zur Kenntnis nehmen: mit Bier kann man keine Probleme lösen, mit Milch aber auch nicht. Und bitte stets in sich hineinhören, ob man nicht zuviel konsumiert – auch beim Joghurt.

Mit den besten Empfehlungen

Andreas auf Biergarten-Pirsch mit dem kurpfälzischen Leberkäs-Löwen

Andreas auf Biergarten-Pirsch mit dem kurpfälzischen Leberkäs-Löwen

Andreas Riedmiller war ebenfalls auf der Tour und hat seinen Bericht darüber geschrieben: 500 Jahre Reinheitsgebot. Mit Hopfen und Malz durch die Kurpfalz

Herzlicher Dank gilt der Tourismus Marketing Baden-Württemberg und Dr. Martin Knauer für die Einladung zu dieser besonderen Reise.

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