Dethleffs e.home eco

Dethleffs e.home eco: Nachhaltigkeit im Wohnmobil neu gedacht

Mit dem e.home eco stellt sich Dethleffs der Aufgabe, auch den Ausbau eines Wohnmobils nachhaltiger zu gestalten.

Das Stichwort „Krise als Chance“ ist bei Dethleffs doppelt präsent. Klimawandel und Branchenumbruch fordern Reisemobil-Hersteller gleichermaßen. Doch in Isny nimmt man diese Herausforderung an, wie der e.home eco zeigt. Die Macher müssen zwar den allgemeinen den Weg mit Stellenabbau und Sortimentsverdichtung mitgehen, doch bleibt Kreativität nicht auf der Strecke.

Interieur im E.home eco

Mit dem e.home eco präsentiert Dethleffs eine Reisemobil-Studie, die nach aktuellem Stand der Technik in allen Bereichen Nachhaltigkeits-Aspekte verwirklicht. Supporter ist dabei die in Aussicht stehende Führerscheinänderung, die Wohnmobil-Lenkern mit Führerscheinklasse B ab 2028 ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,25 Tonnen in Aussicht stellt und die auch den Herstellern neue Perspektiven öffnet.

Die Idee: Ohne fossile Brennstoffe und mit nachwachsenden Werkstoffen

Das ausgerufene Motto „Reiseziel Zukunft“ formuliert Nachhaltigkeit nicht nur für die neue Wohnmobil-Studie e.home eco. Dethleffs hat in seiner jahrzehntelangen Firmengeschichte immer wieder durch Pioniergeist auf sich aufmerksam gemacht. Neu ist, dass das Unternehmen nicht mehr nur auf zugelieferten Elektroantrieb abzielt, sondern auch sein Kerngeschäft Camping-Ausbau in den Prozess einbezieht. Fossile Brennstoffe sollen also auch aus dem Betrieb von Küche und Heizung außen vor bleiben und durch erneuerbare Energien ersetzt werden.

e.home eco an Ladekabel

Die Reise in die Zukunft begann 2017, als Dethleffs die vollelektrische Studie e.home präsentiert. Ein Jahr später folgte der e.home coco, ein Wohnwagen, der mit angetriebener Achse und Batteriespeicher die Reichweite eines Campinggespanns mit erhöht. Der Globevan e.hybrid bietet 2019 das erste serientaugliche Reisemobil mit Plug-In-Hybrid und elektrischer Reichweite von schlanken 50 Kilometern.

Optimierter Ford E-Transit

Im e.home eco kommt der Ford E-Transit zum Einsatz, der zumindest 2025 das einzige halbwegs praxistaugliche Basis-Transporter mit E-Antrieb auf dem Markt ist. Besserung ist zu erwarten. Für die Basis wird dennoch das Optimierungspotential hinterfragt. Dethleffs hat einige Maßnahmen unternommen, um die Aerodynamik zu verbessern. Der Luftwiderstand wird verringert, indem Kameras die Rückspiegel ersetzen, Dachaufbauten außen vor bleiben und Radlaufblenden ausgebaut werden.

Rückspiegel im Fahrzeuginnern
Mit Hilfe von Kameras bleiben die Sehgewohnheiten die selben, der Luftwiderstand wird jedoch reduziert.

Nachhaltigkeitspotenzial wird ausgelotet

Mann lehnt sich an Wohnmobil an

Wir nehmen in unseren Entwicklungsprojekten regelmäßig neue Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen oder Recycling-Material, aber auch neue, umweltschonende Lösungen unserer Zulieferer unter die Lupe und testen deren Praxistauglichkeit im Caravaning-Einsatz.

Bernhard Kibler, Dethleffs-Geschäftsführer

Es geht also um mehr als den Elektroantrieb eines Reisemobils bei noch geringen Reichweiten der Basisfahrzeuge umzusetzen. Den größten Innovationsschub erlebt dabei das Mobiliar.

Eines der maßgeblichen Themen bei dem aktuellen Entwicklungsprojekt war die sinnvolle Verwendung nachhaltiger Materialien aus natürlichen oder recycelten Rohstoffen für den Aufbau und den Möbelbau. Der Leiter des Musterbaus Martin Than: „Bei nachhaltigen Verbundwerkstoffen hat sich in den letzten Jahren viel getan und es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen aus anderen Branchen, die sehr vielversprechend sind.“ So kooperierte das Dethleffs Projektteam mit der Firma Greenboats aus Bremen, die bereits seit 2013 Verbundwerkstoffe aus nachhaltigen Rohstoffen für den Bootsbau herstellt und vertreibt.

Nachhaltige Materialien, Recyclingfähigkeit und Öko-Ästhetik

Es gibt in diesem Kontext banale Einsichten: es gibt keine nachwachsende Glasfaser. Aber was ist die Alternative? Die von Dethleffs verwendeten Sandwich-Platten sind aus Gemeinem Lein, volkstümlich besser bekannt als Flachs. Fasern dieser europäischen Pflanze zeichnen sich durch hohe Steifigkeit, Reißfestigkeit und vergleichsweise niedrige Dichte aus.

Die Beschaffenheit ist ähnlich wie bei mineralischer Glasfaser, die CO2-Bilanz von Flachs ist dagegen um 80 Prozent besser. Auch bei den Klebern ist Gemeiner Lein als Öl im Spiel. Er ist Inhaltsstoff im verwendeten Bio-Epoxid, die hochwertige Laminate ermöglichen. Im Innern bestehen die Sandwichplatten aus einem aus recycelten PET-Flaschen gewonnenen Schaum. Deckschicht und Kern können selbst wiederum zurück ins Recycling.

Küchenplatte im E.home eco

Nachwachsende Rohstoffe werden auch im Interieur eingesetzt. Bestes Beispiel dafür sind die Tisch- und Küchenplatten. Sie sind aus einem aus Mais gefertigten Werkstoff. Deshalb tragen sie den charmanten Namen Popcornplatten. Den Kern aus aufgepopptem Mais umschließt eine Deckschicht aus geöltem Eichenfurnier. Diese Platten sind bei gleichen Eigenschaften nur halb so schwer wie Sperrholzplatten.

Bad

Der natürliche Eindruck der Möbel kommt nicht von ungefähr.

Fahrersitze in grünem Stoffbezug

Polster im e.home eco wurden mit Schafwoll-Stoffen bezogen. Sie sind robust, langlebig, naturbelassen und angenehm in der Haptik. Zugleich sind sie abweisend und schwer entflammbar. Das Konzept geht weiter beim Boden. Der Belag ist eine Zusammensetzung aus Leinöl, Naturharzen, Korkmehl und der guten, alten Jute – you remember?

Energiemanagement mit externen Komponenten

Die Studie zum nachhaltige Reisemobil von Dethleffs wird auch von einigen Lieferanten mitgetragen, die komplette Komponenten herstellen. Geheizt wird mit der elektrisch betriebenen Wärmepumpe Truma Saphir Comfort SC zum Einsatz. Für Freisteher im Winter ist sie allerdings noch nichts. Sie kann aktuell nur mit Landstrom betrieben werden. Selbiges gilt für den Truma-Warmwasserboiler und das Induktionskochfeld von Thetford.

Dethleffs e.home eco auf Messestand

Gleichzeitig liefert eine PV-Anlage aus aufgeklebten Solarzellen auf Haube, Dach und Heck des e.home eco eine Nennleistung von bis zu 1,7 Kilowatt. In Sachen Autarkie erkennt man am ehesten die Hemmschuhe dieses Projektes.

Wohin führt der Weg mit dem e.home eco?

Die Hoffnung auf eine baldige Serienfertigung zerstreut schon Dethleffs selbst. Der e.home eco stellt ausdrücklich keine Vorstufe dahingehend dar. Der Bau in Montagestraßen ist vor 2028 nicht zu erwarten, erst recht nicht nach der Verzögerung des Verbrenner-Aus. Im Interieur braucht es noch einiges an Harmonisierung, um Wünsche wie mehr Autarkie zu allen Jahreszeiten erfüllen zu können.

Dennoch bleibt es dabei: in Sachen nachhaltiges Reisen im individuellen Wohnmobil gehört Dethleffs zu den Vorreitern. Der Stand der Entwicklung zeigt auch das hohe Entwicklungspotential. Das gilt nicht nur für die Technik, sondern auch für die Ästhetik und Wohnkonzepte im Innenausbau.

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  1. Helmut Lienbacher

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