Buchtipp Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck

Buchtipp: Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck

Julia Beatrice Theiler hat in ihrem Buch „Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck“ ihr Wissen über die norddeutsche Region zusammengetragen, die sie seit ihrer Kindheit prägt.

Das Elbe-Weser-Dreieck gehört nicht unbedingt zu den Hotspots der Teilregionen in Deutschland. Alle, die südlich des Weißwurst-Äquators leben, haben vermutlich nicht mal eine genaue Vorstellung, wo das „Nasse Dreieck“, wie es auch heißt, sein könnte. Da wird es dann meist klarer, wenn man die Städte an den Ecken nennt: Hamburg, Bremen, Cuxhaven. Dort ist es aber nur bei Regen nass. Gemeint ist mit dem „nassen Dreieck“ aber der Umstand, dass hier in vielem eine Moor- und Sumpflandschaft entstanden ist.

Julia Beatrice Theiler hat sich autofrei auf den Weg gemacht und für ihr Buch 80 „Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck“ zusammengetragen. 6533 Kilometer mit dem Zug und 267 Kilometer mit dem Fahrrad hat sie dafür zurückgelegt. Bootfrei waren sie deshalb nicht, wie schon die Kapitel „Paddelparadies“, „Venezianisch leicht“, „Pariser Flair am Fluss“ oder „Eine Gong-Flussfahrt ab Worpswede“ unschwer erkennen lassen. Für Wasserscheue ist das also nichts hier. Aber ohne Wasser lebt auch nichts.

Wählen nach Zahlen

Dem Rezensenten steht es schon mangels Ortskenntnis nicht unbedingt zu, eine Auswahl von Orten als besonders bedeutend zu bewerten (oder auch nicht), deshalb entzieht er sich dem Stigma des meinungsstarken Journalisten, indem er das Elbe-Weser-Dreieck durch die fünf Kapitel 10, 20, 30 40 und 50 für sich selbst sprechen lasst, indem er auf das Prinzip „das Kleine bildet das Große ab“ vertraut.

In Kapitel 10 beschreibt die Autorin das bunte Ei im Natur- und Erlebnispark Bremervörde. 1991 wurden in das RiesenEi 550 Friedensbotschaften und Briefe von Bürgern aus dem Ort einbetoniert. Nach dem Willen des initiativen Konzeptkünstlers Armin Kölbli sollen die Briefe erst in 10.000 Jahren wieder das Licht der Welt erblicken. Das wird die Leser zwar nicht persönlich möglich sein, aber er besucht ein rares Exemplar seiner Art. Es gibt nur vier davon…

Morbidität ist Trumpf in Kapitel 20. Es widmet sich dem verfallenen Bahnhof in Brest-Aspe. Lost Places mutieren zunehmend zu Entschleunigungs-Zentren, putzt an ihnen doch niemand herum und der Zahn der Zeit nagt in seinem gleichgültigen Tempo weiter. In Kapitel 30 geht es weit vitaler zu. Die Fisch-Genuss-Route zieht sich durchs Elbe-Weser-Dreieck. Exemplarisch hierfür stellt Julia Beatrice Theiler das Restaurant Zum Windmüller in Steinkirchen im Alten Land vor. Tellergerichte und Ambiente sind hier gleichermaßen geschmackvoll.

In Kapitel 40 kommt die nächste Seltenheit im Elbe-Weser-Dreieck zur Sprache. In Osten-Hemmoor steht eine der seltenen Schwebefähren. Sie ist kein Top Ten Monument, denn weltweit gibt es nur noch acht dieser Sinnbilder der Industrieästhetik, die Funktionalität und Landschaftsgestaltung miteinander verbinden. Kapitel 50 gehört dem Künstlerdorf Worpswede. Wo, wenn nicht hier könnte ein Seelenspiegel stehen? Die Worpsweder Spiegelungen laden ein, sich selbst ein wenig zu erkunden, aber vielleicht nicht zu lange – wegen der Abgründe, die sich da auftun könnten.

Infobox Aus der tourstory.de Redaktion

Cover Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck

Schon die willkürlich ausgewählten Beispiele zeigen, wie vielfältig das Elbe-Weser-Dreieck ist. Julia Beatrice Theiler hat sehr einfühlsam und lebendig eine Regionen-Portrait aus Landschaft, Geschichte und Genuss geformt. Es zeigt, dass Reisen nicht immer in die Ferne führen müssen und dass Reisen weit mehr sein kann als ein Teil des Amüsierbetriebes. Eben Glücksorte finden.

Glücksorte im Elbe-Weser-Dreieck

von Julia Beatrice Theiler

Paperback
168 Seiten, 1. Aufl.,
13,5 x 20,5 cm
ISBN 978-3-7700-2581-7

15,99 € *

Willst Du sachliche Informationen zu Reisemobilen? Dann abonniere unseren kostenlosen Newsletter (max. 1x monatlich).

Infobox Alles, was Recht und sicher ist

Hinterlasse doch einen Kommentar

Erlesen: Aktuelle Buchbesprechungen und Lesetipps