Ober-Falkenstein

Die Falkenstein-Ruinen an der Jungen Donau

Die Geschichten um die Ruinen Unter- und Ober-Falkenstein im Durchbruchstal der Donau lüften viele Geheimnisse.

Eine Reise zu den Ruinen Falkenstein oberhalb der Donau zwischen Sigmaringen und Tuttlingen lohnt sich. Burgen sind zwar durch Lage und Bestimmung eine Barriere, dennoch lohnt es sich, die heute unverteidigten Wege und Gemäuer zu überwinden.

Wer einen steilen Aufstieg nicht scheut, startet am Wanderparkplatz an der Neumühle, flacher ist der Weg ab dem stillgelegten Steinbruch in Beuron-Thiergarten. Die Ruinen Unter- und Ober-Falkenstein sind nicht nur wegen ihrer Einbettung in die reizvolle Landschaft des Durchbruchstals der jungen Donau ein besonderes Wanderziel. Sie bergen auch viele geheimnisvolle Geschichten.

Vorgeschichte: Bereits aus der Zeit von 10000 – 4000 v. Chr. existierte menschliches Leben auf dem Falkensteiner Burgberg. Dies belegen mittelsteinzeitliche Funde in der Falkensteiner Höhle, darunter viele Werkzeuge wie steinerne Kratzer, Schaber, Stichel, Klingen und Knochenwerkzeuge. Auch aus der Antike gibt es Funde aus der Zeit um 300 in Form einer römischen dreieckig-pyramidaler Geschoss-Blattspitze.

Wenn von der Ruine Falkenstein gesprochen wird, sind eigentlich zwei Ruinen gemeint: Ober- und Unter-Falkenstein, die untere stammt aus dem Mittelalter, der erhaltene Teil der oberen aus der Frühen Neuzeit. Die obere Burg ist zugänglich, die untere nicht.

Hochmittelalterlich: Unter-Falkenstein

Beide liegen mitten in der “Côte d’Azur des Mittelalters”, wie der Donau-Abschnitt zwischen Tuttlingen und Sigmaringen auch genannt wird. Heute gehören sie zur Gemeinde Beuron und da liegen sie zwischen den Teilorten Neidingen und Thiergarten, oberhalb der Neumühle.

Beide Burgen gehören zu den sogenannten Felsenburgen, allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung. Bei der auf einem Felssporn über dem Donautal vorgelagerten Burgruine Unter-Falkenstein wurde die Architektur unmittelbar in den Fels eingearbeitet.

Die Ruine Unter-Falkenstein auf einem Felsdorn über dem Donautal
Die Reste der Ruine Unter-Falkenstein

Durch eine dendrochronologische Untersuchung von erhaltenen Eichenbalken und Keramikresten konnte die Entstehungszeit der Burg in die Zeit um 1150 oder früher datiert werden. Der Unter-Falkenstein ist somit die einzige noch bekannte Ruine des frühen Hochmittelalters überhaupt (und leider dem Verfall preisgegeben).

Als Erbauer der unteren Burg gelten die namensgebenden Herren von Falkenstein. Im 14. Jahrhundert ist der Verkauf der Herren von Magenbuch an Heinrich von Bubenhofen dokumentiert. Mit einem Erdbeben endete 1407 die Geschichte der unteren Burg , die fortan nur noch als Burgstall in den Geschichtsbüchern auftaucht.

Ober-Falkenstein: mächtiges Renaissance-Schloss

Die Kernburg des Ober-Falkenstein sitzt auf einem über 40 Meter langen und 20 Meter breiten Felssockel in kurzem Abstand zur Felskante ins Durchbruchstal der Donau. In ihren Anfängen stammt sie aus dem Mittelalter, doch aus dieser Epoche sind kaum Reste erhalten.

Ober-Falkenstein
Die Ruine Ober-Falkenstein

1516 erwirbt Gottfried Werner von Zimmern den Falkenstein als freies Eigentum und verkauft das Schloß knapp zehn Jahre später an seinen Bruder Johann Werner.

Während des Burgensterbens in der frühen Neuzeit geschah etwas Ungewöhnliches. Während die meisten Burgen wegen ihrer mangelhaften Wehrtüchtigkeit und den herausfordernden Lebensbedingungen verlassen und geschliffen wurden, lief es auf dem Falkenstein im 16. Jahrhundert anders.

Hoch über dem Durchbruchstal der Donau errichteten die Meßkircher Grafen von Zimmern die Burgen Wildenstein und Falkenstein. Durch Europa fegte damals der Sturm aus Dreißigjährigem Krieg, Reformation, Pest und Familienfehden, in denen trotz des Burgensterbens neue Vesten als Schutz- und Lustschlösser als sichere Rückzugsorte gebaut wurden.

Aus der mittelalterlichen Burg wurde ein Renaissance-Schloss. Doch nachdem die Grafen von Zimmern 1594 keine legitimen Erben mehr zur Verfügung hat, fallen die Burgen zunächst den Grafen von Helfenstein-Wiesensteig zu. Diesen widerfährt dasselbe Schicksal 1627, wodurch die Fürsten zu Fürstenberg den Falkenstein erben. Die Ruinen sind trotz der historischen Entwicklungen bis heute in adligem Besitz des Hauses Fürstenberg.

Aus der Zeit des Erwerbs des Schlosses durch die Fürsten zu Fürstenberg stammt eine Inventarsliste, die in den Jahren 1623 und 1625 erstellt wurde. Sie gibt Aufschluss über die Räumlichkeiten im Schloss. Das „Inventarium Deß Schloss Falckh.stein“ überliefert ohne Gänge in der oberen Burg mindestens 21 Räume.

Gelistet sind die „Hoff Capell, meines gnädigen Herren Zymmer, Graff Georgen Wilhelms Zymmer ob der Capell, Herren Tennagels Zymmer, Frawen Zymmer“, die „Stuben“, die „Tafelstuben“, insgesamt zehn Kammern, davon je eine „deß Pfarrheres, der Kämerling, der Knecht, der Mägde“ und „der Junksfraw“. Des weiteren gab es die „Schuol“, die „Gesündtsstuben“, die „Kuchin“ und das „Speyß Cammerlin“.

Das Falkensteiner Retabel

Falkensteiner Retabel, Sammlung Würth, gemeinfrei lizensiert unter CC0 1.0 Universell PDD

Von den Räumen ist die Kapelle von besonderem Interesse, denn der Altar wurde vom gleichermaßen berühmten wie unbekannten Meister von Meßkirch mit einem Altarbild, dem Falkensteiner Retabel, ausgestattet. Im Mittelpunkt steht dabei die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesukind.

Die Anna-Selbdritt-Darstellung wird umringt von vielen typischen Pestheiligen, die zur Linderung der Not in dieser Zeit angerufen wurden. In der größeren Mitteltafel sind das die heiligen Katharina, Ursula, Ottilie und Barbara (v.l.n.r.), in den kleineren die heiligen Georg und Erasmus (o.l.u.r.) sowie Christophorus, Johannes Baptist, Andreas, Sebastian und Rochus.

Literarisches Denkmal in der Zimmerischen Chronik

Fahnenträger, kolorierte Zeichnung
Das Blatt aus der Zimmerischen Chronik zeigt einen Fahnenträger mit dem Zimmern-Wappen. Quelle: Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart

Der Name der Grafen von Zimmern hat nicht nur im Donautal Relevanz, sondern auch in der Weltliteratur. In der Zimmerischen Chronik des Grafen Christoph Froben von Zimmern sind viele Episoden um Vesten, Feste und Fäuste, um Staats- und andere Affären und um Moral und Morde überliefert.

Auch wenn die Zimmerische Chronik heute zur Weltliteratur der Frühen Neuzeit zählt, wollte sie zunächst doch nichts anderes sein als historische Überlieferung. Christoph Froben beobachtete die Menschen seiner Zeit sehr genau und schaute ihnen aufs Maul. In einigen Episoden spielt Schloss Falkenstein eine gewichtige Rolle.

Christoph Froben von Zimmern berichtet, unter welchen Umständen Gottfried Werner Freiherr von Zimmern das Schloss Falkenstein an kaufte. Wolf von Bubenhofen kam aufgrund seines Lebenswandels in Nöte und bot die Burg zunächst Sixt von Hausen an. Der jedoch wollte mit einem Kauf des Schlosses nichts zu tun haben.

Auch die Verhandlungen mit Freiburger Kartäusermönchen scheiterten. Der verbliebene Verhandlungspartner Gottfried Werner von Zimmern erhielt den Zuschlag und baute mit Johann Werner die Burg komplett um. Die Zimmern schufen sich so einen Rückzugsort in Zeiten von Krieg und Pest, in denen der Ober-Falkenstein auch als Lustschloss genutzt wurde.

Mord auf Falkenstein

Doch das Burgleben war nicht immer amüsant, wie Christoph Froben von Zimmern in seiner Chronik berichtet. Der Burgvogt Bernhart fiel einem Mord zum Opfer, was sich in einer Übertragung des Christoph Froben so erzählt:

Kurze Zeit bevor Gottfried Werner das Schloss Falkenstein übernahm, hat Wolf von Bubenhofen einen Vogt namens Bernhart auf dem Schloss beschäftigt. Bernhart geriet mit seinem Schwiegervater Ulrich Stüber aus Kreenheinstetten wegen einiger wenig nachbarlicher Ansprachen so in Streit, dass er ihn auf Leib und Besitz ablehnte.

Der wiederum fürchtete Bernhart so sehr, dass er den Söldner Lude Seger aus Gutenstein beauftragte, Bernhart umzubringen. Dafür gab er ihm vier Gulden. Lude verhielt sich vorsichtig und als Bernhart nach einer Zeit unter Falkenstein an der Steige mit einem jungen Buben Holzscheite aufbeugte, war Lude hinter einem Baum versteckt. Der schoss mit einem Gewehr, traf ihn unter dem Arm, so dass er gleich herunterfiel und tot war.

Bernhart wurde in Hainstetten begraben. In diesem Mord wurde viel ermittelt, aber ohne Erfolg. Später jedoch hatte Lude Seger mit seinem Nachbarn Paule Plank den Landsknecht Barthle Preisinger aus Gutenstein – als derselbe einmal nach Meßkirch ging – angegriffen und ohne Erbarmen erschlagen.

Sie plünderten ihn aus und ließen den Leib im Holz liegen. Der tote und übel Zugerichtete wurde von Etlichen aus Stetten zum Kaltenmarkt erkannt. Am nächsten Tag rief der Gutensteiner Amtmann Hugle die ganze Gemeinde zusammen und ließ den Körper auf einem Karren nach Gutenstein bringen, um ihn zu bestatten.

Die zwei Mörder, die auch anwesend waren, wollten sich aber nicht nähern und zierten sich, dem Verstorbenen ein Kreuz zu machen. Das merkte der Amtmann und befahl den beiden zum Karren zu gehen. Als Lude Seger widerwillig herantrat, fing der tote Körper heftig an zu schwitzen. Von da an wurde man argwöhnisch gegen Lude.

Der andere, Paule, floh aus dem Dorf. Der Amtmann sah sich nun veranlasst, Lude festzunehmen und zum Verhör nach Meßkirch zu bringen. Er gestand alle begangenen Morde, auch dass er vor einem Jahr den Vogt Bernhart von Falkenstain nach Anstiftung von Ulrich Stüber erschossen hat. Lude Seger blieb zunächst in Haft.

Inzwischen kam Paule Plank heimlich nach Gutenstain zu Frau und Kindern. Gottfried Werner gab Befehl, ihn bei nächster Gelegenheit zu verhaften. Das geschah, als er zu Ostern während des Gottesdienstes heimlich ins Haus schlich. Es wurde umstellt.

Obwohl der Bösewicht sich wehrte und mit einer Armbrust einige verletzte, konnte er letztlich doch wie eine wilde Sau gefangen und nach Meßkirch gebracht werden. Beide wurden nach einem Prozess mit dem Rad hingerichtet und bekamen damit ihren verdienten Lohn.

Ulrich Stüber stellte sich kurz danach und wurde ebenfalls vor Gericht gestellt. Er hatte noch die Hoffnung, der Allmächtige würde ihm helfen. Um Vogt Bernhart gab es keine große Klagen, da er sich gegen alle Nachbarn und Amtspersonen Zeit seines Lebens so streng und hochmütig verhielt, dass es niemand Leid um ihn war.

Jedoch war es ein Mord und Gottfried Werner war dahin bedacht, dass auch am Stüber das Recht ausgeführt wird. Trotz zu erwartender Fürbitten aller Herrschaftsleute zugunsten Strüber, befahl er seinem Vogt Örtlin, ohne Ansehen Urteil und Recht zu sprechen. Sei es von oben herab oder sonstwie, Gottfried Werner hatte vor der Verhandlung eine schlaflose Nacht und ehe das Urteil fiel, begnadigte er den Stüber und sicherte ihm das Leben.

Stüber versprach darauf, ehe er wieder zu Haus und Hof zurückkehre, zwei Wallfahrten zur Buße zu unternehmen, nämlich zum heiligen Jakobus nach Compostela und zu unserer lieben Frau nach Loreto. Er hat dies treu getan, damit seine enorme Schlechtigkeit gebessert und noch viele Jahre danach gelebt und seine Kinder versorgt, die in Ehre und Wohlstand lebten.

Rund um die Burganlage bieten sich von den Aussichtsfelsen in der Nähe imposante Ausblicke aufs Donautal. Unter anderem auf die Pension Neumühle, die unmittelbar mit der Geschichte des Ober-Falkenstein verbunden ist: sie wurde aus dem geschliffenen Renaissance-Schloss gebaut.

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(230124/JDM5714)

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