Hymercar Grand Canyon S

Leichte Muse: Hymercar Grand Canyon S

Mit dem Hymercar Grand Canyon S stellen die Bad Waldseer nicht nur einen Campervan auf Sprinter-Basis vor, sondern auch ein flexibles und kompaktes Wohnmobil für sonnige Reisestunden.

Hymercar Grand Canyon S Wer Wohnmobile baut, muss oft aus der Not eine Tugend machen, denn die Eigenheiten der Basisfahrzeuge sind gerade beim Ausbau von Campervans nicht immer ideal. Das gilt auch für den neuen Mercedes Sprinter, der beim Hymercar Grand Canyon S die Basis für einen Campingbus mit knapp sechs Metern Länge und Querbetten im Heck ist. Das klingt anfänglich wie ein konventioneller Kastenwagen auf Mercedes-Basis mit Assistenzsystemen. Doch es steckt mehr dahinter und es lohnt sich, der Frage nachzugehen, welches Konzept für das HymerCar Grand Canyon S entwickelt wurde.

Küche im Grand Canyon S

Highlight im Grand Canyon S: die Küche

Wenn man den Grand Canyon S betritt, sticht gleich der Küchenblock heraus. Die Küche ist schick und sowohl der Küchenblock als auch der Kühlschrank werden durch abgerundete Ecken zu eleganten, stilbildenden Hinguckern, die zugleich die größte Herausforderung bewältigen. Die Karosserie des Sprinters verjüngt sich nach oben stärker als beim Platzhirsch und mit dem Küchenblock hat man eine sehr gute Lösung gefunden. Insbesondere die Halbhöhe des Kühlschranks sorgt für einen breiten Durchschuss, der den begrenzten Raum optisch öffnet und dem Interieur einen wohnlichen Charakter verleiht.

Grand Canyon S

Flexibler Schlafbereich im Grand Canyon S

Auf den ersten Blick kommt der Schlafbereich im Grundriss des Grand Canyon S ganz konventionell daher: auf sechs Meter Länge hat man Querbetten verbaut, um mehr Platz für Bad, Küche und Dinette zu haben. Doch die Interieur-Designer bei Hymer haben sich ein paar Gedanken mehr gemacht. An den Seitenwänden wurden Ausbuchtungen aufgebracht, um die Verjüngung des Sprinters bei zunehmender Höhe zu kompensieren. Leider kann man das aber nur auf der Fahrerseite ausreizen, da sich sonst die Schiebetüre nicht mehr öffnen lässt. Dadurch kommt man auf eine maximale Liegefläche von 1,87 m Länge. Für einen 1,90 m-Mann eigentlich zu wenig, aber wer schläft schon völlig ausgestreckt? Und diagonal liegen geht ja auch noch.

Grand Canyon S mit geöffneter Hecktüren und zusammengeklapptem Bett

Das Bett lässt sich zusammenklappen, so dass das Interieur optisch und räumlich offen bleibt. Das ermöglicht auch, Fahrräder ohne Träger am Heck mitzunehmen. Auffällig ist, dass das Bett recht hoch angebracht wurde, was vermutlich durch die Form der Karosserie bedingt ist, um die “abstehenden Ohren” anbringen zu können. Dadurch sitzt das Bett recht hoch, während zugleich keine fest verbaute Einstieghilfe vorhanden ist. Mann muss sich also eine Einstiegshilfe zulegen. Wie allgemein üblich, sind im Schlafbereich Hochschränke angebracht. Nun ist es ja verständlich, dass ein Hersteller möglichst viel Stauraum bieten will, aber die Querschränke vor den Hecktüren scheinen nicht so gelungen. Sie beengen den Schlafraum und der Möbelbau in den Ecken wirkt auch nicht besonders elegant. Irgendwie passt das auch nicht zum Konzept einer offenen Optik, wie sie in der Küche und Dinette angelegt ist. Bei größeren Menschen verhindern sie auch, dass man bei hochgeklapptem Bett durch das komplette Wohnmobil laufen kann. Wer Stauraum benötigt, hat eigentlich unter dem Bett mehr als genug davon. Dass damit der Zugang zu den Türen in den Seitenkästen versperrt wird, muss man nicht unbedingt gelten lassen. Denn wenn das Bett heruntergeklappt ist, sind die Fahrräder draußen und man kann Kisten unter das Bett stellen. Sollte man aber reisen und die Fahrräder an Bord haben, kann man diese Kästen auf dem Seitenkasten über dem Frischwassertank verstauen, wo sich keine Matratzen-Elemente befinden. A propos: die Matrazen sind genau angepasst an die Form der Ausbuchtungen und man liegt und schläft hervorragend auf ihnen, die allesamt mit einem Tellerrost unterlegt sind.

Sitzgruppe im Grand Canyon S

Bad und Dinette: klar, funktional, durchdacht

Die Sitzpolster lassen sich nach vorne schieben. Das ist zwar angenehm und vergrößert die Gemütlichkeit auf der Sitzbank, aber sie rutschen auch, wenn man das gar nicht will. Die Bad-Dinette-Flanke glänzt mit klarer, einfacher, aber ausgetüftleter Funktionalität. Der Tisch ist für einen Campingbus recht groß und in der Mitte mit Scharnieren geteilt. So kann man den Tisch halbieren oder komplett einklappen. Das schafft Raum für Mitfahrer oder erleichtert die Bewegung, wenn man aus der Sitzgruppe auf der Fahrerseite aufstehen will.

Sitzecke mit zusammengeklapptem Tisch

HymerCar Grand Canyon S Bad Auch das Bad im Grand Canyon S ist typisch für Hymercars. Auf engstem Raum gibt es kompakte Lösungen und hohe Funktionalität. Die Chemietoilette ist so verbaut, dass sie keine toten Ecken produziert, wo sich Schmutz ansammeln kann. Das Klappwaschbecken kenne ich seit meinem ersten Wohnmobil-Trip und begeistert mich immer wieder durch seine Einfachheit und hohe Funktionalität. Es hat sogar eine kleine Bremse, so dass es nicht zu lautem Geklapper kommt, falls man das Waschbecken einmal fallen lässt. Der Duschkopf ist zugleich der Wasserhahn. Der Kniff dabei: man kann ihn auch durch das Fenster ziehen und als Außendusche verwenden. Vor allem größere Menschen haben so eine Alternative zur etwas niedrigen Stehhöhe. Praktisch ist auch der herunterklappbare Bügel. Auf ihm kann man Handtücher trocknen oder das Bad zum Schrank für Hemden und Anzüge machen, die man bei Badbenutzung auch an einen kleinen Bügel auf der Rückseite des Bettes aufhängen kann.

Grand Canyon S im Schwarzwald

Für Ganzjahrescamper ideal: die Dieselheizung

Der Grand Canyon S wird mit einer Truma Combi beheizt, die mit Diesel arbeitet. Insbesondere bei längeren Heizphasen erweist sich das als sehr praktisch, schließlich muss man nicht alle drei bis sechs Tage zu den unmöglichsten Zeiten die Gasflaschen wechseln. Es genügt ein Arbeitsgang, nämlich rechtzeitig zu tanken, um die Energieversorgung für Fahrt und Heizung aufecht zu erhalten. Das Gas wird lediglich für den Herd benötigt. Hymer hat sich aber entschlossen, den Gaskasten in der ursprünglichen Größe zu lassen, sodass man eine 11 kg- und eine 5 kg-Gasflasche unterbekommt. Damit dürfte man gefühlt ein halbes Jahr kochen können. Alternativ kann man freilich die 11 kg-Flasche heraus lassen und den Stauraum für etwas anderes benutzen. Mit der Dieselheizung entfällt auch die sonst ein wenig lästige Befestigung der Gartenstühle auf dem Gaskasten weg, da die Gaskästen niocht so oft gewechselt werden müssen. Wer allerdings bei jedem Ortswechsel die Gasflaschen auf- oder zudrehen will, muss die Stühle abbinden.

Grand Canyon S Interieur

Grand Canyon S Schlafbereich

Elektrische Versorgung:

Mit einer Wohnraumbatterie hat der Grand Canyon S zunächst eine Standardausstattung. In den Seitenfächern ist aber geeigneter Stauraum für eine zweite Batterie, die mit einer Lithium-Batterie das bis zu vierfache einer Einzelbatterie liefern kann. Für die Beleuchtung hat man in Längsleisten an der Decke LED-Lichtleisten integriert, die durch einfache berührung ntweder auf blaues Nachtlicht oder weißes Raumlicht eingeschaltet werden können. In der Decke befinden sich noch drei runde LED-Leuchten. Entlang der Möbel-Boden-Kanten befinden sich noch einige blaue Nachtlichter, die man auch als Stimmungsgeber einsetzen kann.

Sonnenstrahlen, Foto: Simon Foto: Simon

Grand Canyon S an einem Brunnen

Fazit: Der Grand Canyon S ist ein Allround-Camper für leichte Stunden

Mit dem Grand Canyon S ist Hymer ein kompakter und flexibler Campervan mit hoher hoher Funktionalität gelungen, die sich sowohl im Ausbau als auch in der Technik des Basis-Sprinters wiederfindet, der optional mit zahlreichen Assistenz-Systemen bestellt werden kann. In der Allradversion ist der Grand Canyon S auch für Offroader ein starkes Fahrzeug. Offen ist er auch für Familien, für die man mit Hilfe des optionalen Klappdaches auf vier Schlafplätze aufstocken kann. Trotz kleinerer Inkonsequenzen ist das offene Raumkonzept sehr gelungen. Bei einem Kauf würde ich persönlich vermutlich fragen, ob man nicht auf den Einbau der Hochschränke über den Hecktüren verzichten kann. Die Offenheit wird durch die Kombination von Seiten- und Hecktüren auch nach außen fortgesetzt und gibt dem HymerCar Grand Canyon S ein grundlegendes Sommerfeeling für die leichten Stunden des Lebens. Daran ändert auch die Variante in glänzenden Schwarz nichts, eher im Gegenteil. Die Farbe verhält sich wie ein Spiegel, in dem sich Sonnenuntergänge und andere schöne Landschaften spiegeln und das HymerCar mit seiner Umgebung verschmelzen lassen. Mit dem Einbau einer Dieselheizung bestehen auch die besten Voraussetzungen für Wintertouren mit dem Grand Canyon S, auch wenn er noch nicht ganz winterfest ist. Hier müsste man noch etwas nachhelfen, aber grundsätzlich lässt er sich zumndest in unseren Breitengraden ganzjähig nutzen. Das HymerCar Grand Canyon S ist ein gelungener Freizeitcamper für Naturfreunde und Ästheten, die sich eine Black Beauty wünschen.

HymerCar Grand Canyon S im Sonenuntergang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.