Stiftsbibliothek St. Gallen

60 Jahre Oberschwäbische Barockstraße: von der Ferienstraße zur Legende

Die Oberschwäbische Barockstraße ist die Route zur Gegenreformation in den alten schwäbischen Regionen.

Die Oberschwäbische Barockstraße feiert im Juni 2026 ihr 60-jähriges Jubiläum. Auf 790 Kilometern und vier Routen stellt die Oberschwaben-Tourismus die Urlaubsregion mit Highlights aus der Epoche des Barock vor. Im Jubiläumsjahr wird auch das Projekt Lauschtouren auf den Weg gebracht, die Besucher mit Audio-Downloads durch sehenswerte Orte führen.

Oberschwäbische Barockstraße: Kloster Wiblingen
Das Kloster in Winblingen ist die nördlichste Station an der Oberschwäbischen Barockstraße.

Unterwegs zur Gegenreformation

Der Himmel spielt in Oberschwaben eine besondere Rolle. Stets vermittelt er hier das Gefühl, durch seine Wolkenformationen und die vielen Sonnentage die barocken Einwohner zu ihren opulenten Kreationen inspiriert zu haben. Doch für die Entwicklung des Oberschwäbischen Barock gibt es auch handfeste politische, religiöse und kulturelle Hintergründe, welche die Einmaligkeit der Region unterstreichen.

Bis heute haben sich auf mindestens 60 Stationen diese Spuren aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Darunter befinden sich dörfliche Kleinodien gleichermaßen wie repräsentative Großbauten. Die Zeignisse an der Oberschwäbischen Barockstraße erzählen die Geschichte seit dem Bauernkrieg 1525 und der Reformation, die den Barock als Form der Gegenreformation auslöste. Die Vertreter der Ständegesellschft entwickelten die opulente Ästhetik zum Gotteslob und zur Gewinnung der Menschen für katholischen Traditionen, das feudale Adelssystem und das erstarkende Bürgertum.

Oberschwäbische Barockstraße: Heimat von Klöstern, Kirchen und Schlössern

tourstory.de Newsletter

Willst Du sachliche Informationen zu Camping und Kultur? Dann abonniere gerne unseren Newsletter (max. 1x monatlich).

Das lebendigste barocke Areal dürfte heute Schloss Altshausen sein. Hier treffen kirchliches Erbe, repräsentative Schlossbauten, traditionelle Gartenkultur, moderne Kunst und zeitgemäße Nutzung aufeinander.

Das Schloss Altshausen liegt auf der Hauptroute im Herzen der Oberschwäbischen Barockstraße. HIer ist bis heute die herzögliche Familie von Württemberg zuhause, die Teile ihres Besitzes für die Öffentlichkeit geöffnet hat. In einer barocken Parkanlage steht auch die St. Michael Kirche, die selbst nicht nur ein barockes Kirchenjuwel ist, sondern auch Ort der Verehrung des heiligen Hermann von Altshausen. Er wurde als Oblate und Mönch trotz seiner Versehrtheit zum Universalgenie und wird aufgrund seiner Nächstenliebe als Patron behinderter Menschen verehrt.

Barocke Schlossanlage in Altshausen

Reliquien als Mittler zwischen Himmel und Erde

In der Altshauser Kirche befindet sich eine Schrein mit einer Schädelreliquie des heiligen Hermann. Sie fungiert als Mittler zwischen dem religiösen Charakter Hermann des Lahmen und den Hoffnungen auf die Verheißungen im Reich Gottes. Zu den bekanntesten und im Volk am häufigsten verehrten Reliquien zählt die aufgebahrte Elisabeth Achler, im Volksmund als die selige Gute Beth von Reute verehrt. Sie ist die Initiatorin des Franziskanerinnen-Klosters in Bad Waldsee, das bis heute aktiv ist. Die Schwestern widmen sich vornehmlich der karitativen Pflege und Seelsorge in Oberschwaben. Der Leichnam der Guten Beth ist in der barocken Kloster- und Pfarrkirche in einem Seitenaltar untergebracht.

Reliquiar Gute Beth in Bad  Waldsee-Reute

Die spektakulärste Reliquie Oberschwabens ist zweifelsohne die Heilig-Blut-Reliquie in Weingarten. Die weltberühmte Reliquie enthält der Überlieferung nach Blutstropfen von Jesus Christus vermischt mit Erde des Berges Golgotha, die in einem Bergkristall und in einem goldenen Reliquiar gefasst ist. Jedes Jahr am Freitag nach Christi Himmelfahrt wird sie in Europas größter Reiterprozession durch Weingarten und das Umland getragen.

Barocke Bibliotheken und Bildungszentren

Zu den Highlights der Oberschwäbischen Barockstraße zählt zweifelsohne Bad Schussenried. Das ehemalige Kloster und seine barocke Kirche sind immer wieder Anziehungspunkt herausragender Ausstellungen. Berühmt ist das Kloster für seine Bibliothek, die exemplarisch steht für die Rolle der Klöster als Forschungs- und Bildungszentren in der Neuzeit.

Bad Schussenried Bibliothek

Fast jede Dorfkirche en Barockjuwel

Wer in Bad Schussenrid ist, sollte unbedingt im Teilort Steinhausen vorbei schauen. Die Wallfahrtskirche trägt den unverbindichen Ruhmestitel „Schönste Dorfkirche der Welt“. St. Peter und Paul ist tatsächlich ein barockes Kleinod, das sich neben den großen Klöstern und Kirchen der Epoche zu behaupten weiß.

St. Peter und Paul Steinhausen

Apropos Wallfahrtskirchen. Der Bodensee ist ebenfalls teil der Oberschwäbischen Barockstraße und bietet viele Highlights zur Epoche. Zu den imposantesten zählt durch seine künstlerische Qualität und seine spektakuläre Uferlage die Birnau. Hier leisten Seelsorger aus der Zisterzienserabtei Mehrerau seelsorglichen Dienst und laden auch Reisende zur Teilnahme am geistlichen Leben der Region ein.

Wallfahrtskirche Birnau

Gedächtnis alles Barocken

Wenn es um Barock und Gegenreformation geht, ist das ehemalige Kloster St. Gallen bis heute durch die Stiftsbibliothek und das Stiftsarchiv das geistesgeschichtliche Gedächtnis Oberschwabens, oder besser: Suevia Superior, wie die alte Region genannt wird. Hier laufen die Fäden der historischen Zeugnisse zusammen. Dabei ist St. Gallen selbst ein barockes Juwel und zeigt, dass sich der Baustil auch in reformierten Regionen behaupten konnte. Zugleich liegt das ostschweizerische Zentrum an der Südroute der Oberschwäbsichen Barockstraße, die eine thematische Umrundung des Bodensees ermöglicht.

Altarraum Münster St. Gallen

St. Gallen ist ein markantes Beispiel dafür, dass sich der Blick über die heutige Region des Oberschwäbischen hinaus öffnet. Es bezieht im Kern das historische Schwaben mit ein, wozu die Ostschweiz ebenso zu zählen ist wie das Allgäu und Vorarlberg. Aus dem Bregenzerwald stammen viele der Barockbaumeister. Diese Geschichte wird im Barockbaumeister-Museum in Au vermittelt.

(Zu-)Hören und Lauschen an der Oberschwäbischen Barockstraße

Im Zuge des 60-jährigen Jubiläums der Oberschwäbischen Barockstraße bieten die Touristiker sogenannte Lauschtouren an. Leutkirch, Wangen und das Kloster Roggenburg bieten sie bereits an. In der Pressemitteilung der Oberschwaben-Allgäu Tourismus GmbH heißt es dazu:

Klangproben beispielsweise von der „Vox Humana“ der berühmten Weingartener Gabler-Orgel sind dabei durchaus inklusive. Von den app-basierten Audiotouren kann man sich bereits jetzt auf zwei brandneuen Lauschtouren durch Weingarten und Kißlegg führen lassen. Im Laufe des Jahres folgen nach und nach noch Touren durch Altshausen, Bad Schussenried, Bad Wurzach, Laupheim, Mengen, Ochsenhausen und Tettnang.
Quelle: OTG

Die Lauschtour-App gibt es kostenlos im Appstore und auf Google Play

News zum Thema Camping und Reisen abonnieren?

Hinterlasse doch einen Kommentar

Erlesen: Aktuelle Buchbesprechungen und Lesetipps