Der Landkreis Tübingen beansprucht nicht ohne Grund ein Sowohl-als-auch für seine Gästeangebote. 2026 kommt mit der „Kulturlandschaft Tübingen“ Bewegung in den Früchtetrauf.
- In die Kulturlandschaft Tübingen reisen heißt: ins Sowohl-als-auch reisen (und ins Als-ob)
- Alma Mater: die Universität Tübingen wird 550 Jahre alt
- Neues Kunstmuseum: Zwischen Tiger-Partys und Gysis Begegnungen
- Lotte Reiniger: der leiseste Star Tübingens
- Schlösser in der Kulturlandschaft Tübingen
- Aktiv-Bewegung am Früchtetrauf
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Einige Jubiläen zwingen die touristische Vermarktung im Landkreis Tübingen in eine Art Identitätskrise. Die Dachmarke „Früchtetrauf“ lehnt landschaftlich und inhaltlich an den zwei Top-Säulen. Doch die Schwäbische Alb und das Streuobstparadies überblühen quasi das historische und künstlerische Erbe. Mit dem Begriff „Kulturlandschaft Tübingen“ versucht die Region anlässlich des Universitätsjubiläums, der Pionierstellung von Lotte Reiniger und der Schaffung des Neuen Kunstmuseums Ausgleich zu schaffen.

In die Kulturlandschaft Tübingen reisen heißt: ins Sowohl-als-auch reisen (und ins Als-ob)
Kulturlandschaft Tübingen bedeutet nicht, dass nur die Stadt diesen Begriff rechtfertigt. Reiseziele wie das Kloster Bebenhausen, die Bischofsstadt mit dem Dom von Rottenburg, das Pausa-Areal in Mössingen, die kulinarische Tradition im Streuobstparadies oder die bekannte Wurmlinger Kapelle deuten die Vielfalt des gesamten Landkreises an. Hinzu kommen Aktivitäten wie Radfahren, Wandern, Reiten oder Stocherkahnfahren.

Alma Mater: die Universität Tübingen wird 550 Jahre alt
Wer als studentischer Neuling nach Tübingen kommt, lernt als erstes: 7+7=14. Das ist die Merkhilfe für das Gründungsjahr der Universität: 1477. Sie ist Garant dafür, dass alles zwischen Eiszeit und Heute unter die Lupe genommen wird. Die Universität Tübingen ist also 550 Jahre alt. Dabei steht vielleicht kein Gebäude so sehr für die Gründung dieser einmaligen Bildungsinstitution wie das Evangelische Stift. Es markiert die württembergische Gründung durch Herzog Ulrich und hat zahlreiche bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht, von denen Friedrich Hölderlin nicht nur die berühmteste sein dürfte.
Hölderlin hat in Tübingen seine letzten Jahre in (angeblicher) geistiger Umnachtung verbracht und in dieser Zeit im Hölderlinturm gelebt. Das Stift hat aber auch weniger bekannte, aber nicht weniger bedeutende Philosophen hervorgebracht, von denen neben Hegel auch Hans Vaihinger genannt werden sollte, dessen Geburtsort Nehren auch zur Kulturlandschaft Tübingen gehört und bis heute durch seine Lage als einziges Dorf an der Deutschen Fachwerkstraße ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Neues Kunstmuseum: Zwischen Tiger-Partys und Gysis Begegnungen
Als ich in den 1990ern in Tübingen studierte, gab es hier für die Linke Wählerstimmen. Was im Deutschland der alten Bundesländern oft undenkbar war, fand hier trotzdem statt. Typisch TÜ. Im Neuen Kunstmuseum Tübingen hat der „Trend von damals“ einen prominenten Stuhl kreiert, den kein geringerer als der humorbegabte Politik-Anwalt und Society-Talker Gregor Gysi besetzt.
Für Gysis Begegnungen in Tübingen empfängt er exemplarisch Sowohl-als-auch-Gäste, die ihre Lebenspositionen nicht gerade als stramme Linke, aber mit deutlicher Stimme und oft mit – nennen wir es augenzwinkernd – juristischem Feinschliff bezogen haben: Anselm Grün, Peter Gauweiler, Rufus Beck, Nino de Angelo und Howard Carpendale kommen 2026 nach Tübingen.

Das Neue Kunstmuseum Tübingen steht naturgemäß auch für Kunstausstellungen. Die Sonderausstellungen müssen sich dabei in Tübingen dem starken Wettbewerb der Kunsthalle stellen – oder eben eine wechselseitige Ergänzung bieten.
Die aktuelle Sonderausstellung (noch bis 17. Mai 2026) widmet sich Janosch. Anlässlich des 95. Geburtstages des Künstlers, Illustrators und Autors werden bisher nicht gezeigte Originale vorgestellt und auch ein Nachbau seines Ateliers. Ab 31. Mai gehört die Bühne im Neuen Kunstmuseum Elvira Bach. Sie belebt die Kulturlandschaft Tübingen mit einem „Bild von Weiblichkeit, das sich treu bleibt, aber nie stillsteht“, wie es in der Ankündigung heißt.
Lotte Reiniger: der leiseste Star Tübingens
Das Tübinger Stadtmuseum pflegt den künstlerischen Nachlass der Trickfilm-Pionierin Lotte Reiniger. Ihr Bezug zum Kulturlandschaft Tübingen entstand durch das befreundete Ehepaar Happ. Alfred Happ, der evangelische Pfarrer von Dettenhausen, war nicht nur ein enger Freund, sondern wurde nach Lotte Reinigers Tod am 19. Juni 1981 auch ihr erster deutschsprachiger Biograf. Lotte Reiniger übersiedelte Ende 1979 nach Dettenhausen im Schönbuch. Nach Jahrzehnten im englischen Exil und nach zahlreichen kräftezehrenden internationalen Vortragsreisen fand sie bei den Happs einen privaten Rückzugsort.

Lotte Reiniger ist Produzentin des ältesten erhaltenen abendfüllenden Animationsfilms der Welt, der 2026 sein 100-jähriges Jubiläum der Erstveröffentlichung feiert. Das Stadtmuseum erweitert deshalb seine Dauerausstellung über Lotte Reiniger mit einer Hommage an „Die Abenteuer des Prinzen Ahmed“ und einen umfassenden interaktiven blick auf ihr Lebenswerk, das 2024 postum mit dem „Annie Award“ geehrt wurde. Die Sonderausstellung gibt Einblicke in die Entstehung, Technik und Rezeption des einmaligen Filmepos.
Schlösser in der Kulturlandschaft Tübingen
Schlösser markieren die Geschichte aus frühreren Zeiten, die bis in die jüngste Gegenwart Orte der Zeitgeschichte geblieben sind. Ob Hohentübingen, Gomaringen, Hirrlingen, Bebenhausen oder Hohenentringen: Geschichte ist hier Atmosphäre in der Kulturlandschaft Tübingen.



Aktiv-Bewegung am Früchtetrauf
Die Kulturandschaft Tübingen ist ein Paradies für Radfahrer und Wanderer. Insbesondere im Frühjahr und im Herbst bildet das Streuobstparadies eine einmalige Kulisse für rund 1000 km Radwege mit ihren 15 Thementouren, 15 (Premium-)Wanderwege und zertifizierte Spazierwege.

Einblicke in den Früchtetrauf gibt es bei Blogger-Kollegin Susanne: Wandern, Radfahren & Genießen am Früchtetrauf, dem Streuobstparadies zwischen Tübingen und Schwäbischer Alb.
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