Genusswelten im Schwäbsichen Streuobstparadies

Genusswelten im Schwäbischen Streuobstparadies

In den letzten Jahrzehnten wurde das Schwäbische Streuobstparadies durch Naturschutz und Landwirtschaft zu einem kulinarischen Hotspot.

Einen besonderen Blick sollte man im Streuobstparadies auf die Wirte werfen. Sie sind wichtiges Bindeglied zwischen hochwertiger Produktion und genußvoller Gastlichkeit. Eines kann man schon vorweg nehmen: von der ach so typisch schwäbischen Genussfeindlichkeit war hier nichts zu spüren.

Krone des Streuobstparadies: Gasthof Lamm in Schlat

Theke im Streuobstparadies-Gasthof Lamm, Schlat

Im Lamm in Schlatt verschmelzen Tradition und Modernität zu einem ästhetischen Ensemble. Die Manufaktur Jörg Geiger ist so etwas wie der internationale Star unter den Streuobstwiesen-Kelterern geworden. Heimstatt und Samenkorn dieses ursprünglich nur als Hobby gedachten Erfolges ist der Gasthof Lamm, wo Jörg Geiger in seinen Erstberuf als Koch ging und der bis heute unter seiner Leitung im Besitz der Familie ist.

Steinpilzravioli mit Trüffelkäse
Steinpilzravioli mit Trüffelkäse

Die wechselseitige Ergänzung der beiden kulinarischen Zweige ist offenkundig. Im Restaurant können sich die Schaumweine, Prisecci, Obstweine und Destillate aus der Manufaktur sowie die traditionellen, innovativen und saisonalen Gerichte gegenseitig begleiten.

Kreative Themen rund um den Teller im Lamm

Variationen
Variationen zu Apfel, Birne und Joghurt

Im Team um Jörg Geiger stehen weitere kreative Geister, die gemeinsam ihre Vision von Gastronomie stetig weiter entwickeln. Sie pflegen die Tradition des Hauses und vereinen ihre persönliche Kreativität unter einem Dach. Ergänzt wird durch einen ausgesuchten Weinkeller, in dem die Weine befreundeter Güter angeboten werden.

Arrangements organisieren den Hochgenuss

Lammfleisch rosa gegart
Das Lammkarrée stammt von Tieren aus regionaler und befreundeter Aufzucht. © Foto: Gasthof Lamm, Schlat

Ein Aromafeuerwerk bieten die regelmäßigen Menüabende, die das Haus in Verbindung mit einer Führung in den Steuobstwiesen und der Manufaktur verbindet. Das sind lohnende Reisen mit bleibenden Eindrücken. Nicht nur, weil man ungewöhnlichen Geschmäckern rund um die Champagner Bratbirne begegnet, sondern weil man inspiriert wird, die eigene Sensorik, das eigene Geschmacksverständnis weiter zu bilden und das Verständnis für die Zusammenhänge von Landschaft, Regionalerzeugnissen, Naturschutz, Kulinarik und Gastfreundschaft zu vertiefen.

Kontakt: Gasthof Lamm
Eschenbacher Str. 1, 73114 Schlat
www.lamm-schlat.de

Schwäbisches Caféhaus: Die Alte Kass in Neidlingen

Alte-Kass_DSC0993

Die Eigenart der Alten Kass beginnt schon beim Namen. Semmer doch mal ehrlich: selbst wenn Sie aus Schwaben sind, haben Sie sich vielleicht auch gefragt, was “Alte Kass” bedeuten soll. Die Familie Heppeler hat lange überlegt, wie sie ihr Caféhaus nennen will. Nach dauerndem Hin und Her entschieden sie sich, das Gebäude so zu nennen, wie es schon immer war: die Alte Kass, also die ehemalige Sparkasse.

Dort, wo heute die Tassen klappern, klimperten einst die Münzen. Im Gegensatz zu früher gibt es allerdings einen großen Unterschied: heute bekommt man etwas, wenn man sein Geld dorthin bringt – außer sein Geld zurück. Aber der Weg ins Streuobstparadies-Café lohnt sich. Es ist gemütlich eingerichtet und viel geselliger als in einer diskreten Bank.

Gastraum der Alten Kass im Streuobstparadies

Manche nennen die Alte Kass auch das Kirschencafé, weil Neidlingen bekannt ist für sein faszinierendes Schauspiel, wenn jedes Jahr im Frühling die rund 20000 Kirschbäume des Ortes ihr Blütenballett zum Besten geben. In Scharen kommen dann die Gäste und berauschen sich nach dem Winter am neuen Lebenszyklus.

Inhaber Peter Heppeler ist gelernter Zimmerer und mit Kirschholz nach wie vor tief verbunden. Aus dem Edelholz stellt er mal mehr, mal weniger skurrile Dekorationsgegenstände her, die man neben vielen anderen regionalen Produkten im hauseigenen Laden kaufen kann.

Toiletteneingang

Gäste haben es hier generell mit einem erhöhten Schmunzelkoeffizienten zu tun. Das merkt man eigentlich schon bei der Anfahrt, wo die Gäste im Vorgarten von einem alten Bett – selbstverständlich frisch bezogen – begrüßt werden. Der urschwäbische Landhausstil steht in direktem Bezug zum gastronomischen Angebot. Wer hier übernachten will, muss aber nicht im Vorgarten schlafen, sondern kann sich einmieten.

Unisex-Toiletten sucht man/frau vergebens. Im Streuobstparadies unterscheidet man nicht unbedingt zwischen Mensch und Tier, aber sehr wohl zwischen männlich und weiblich. Konsequenterweise weist das Wort “Goggeler” den Männern den Weg zur Bewältigung ihrer Notdurft. Und wer falsch landet, weil er/sie kein Schwäbisch schwätzt? Auch egal, Sie wissen ja: Unisex…

Beim Kuchen verwenden die Heppelers selbstverständlich Obst aus der direkten Umgebung, das sie eigenhändig entsteinen und verarbeiten. Wenn es die Jahreszeit erlaubt, kommen sie natürlich direkt auf den Kuchenboden. Man hat sich aber auch eine alte Technik zu Nutzen gemacht: das Einkochen, oder wie man im Schwäbischen sagt: Eidünschda.

Regal um Regal reiht sich das Obst im großen Familienkeller: Zwetschga, Mirabella, Kirscha, Träuble, Gloda, Bira- und Äpflschnitz. Obst, soweit das Auge reicht und das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Da bleibt eigentlich nur die Verkündung einer alten schwäbischen Caféhaus-Weisheit: beim Schwätzen immer weiter essen.

Im Genusshimmel: Gasthaus Hirsch in Bad Ditzenbach

Gasthof HIrsch, Bad Ditzenbach-Gosbach
August Kottmann, Bad-Ditzenbach-Gosbach
August Kottmann, Seniorchef im Hotel-Restaurant Hirsch

“Aroma-Erlebnisse Alb-Natur-Pur” verspricht Familie Kottmann ihren Gästen. Mit werblicher Übertreibung hat das eher wenig zu tun. Das wird schon im Gespräch mit Seniorchef August Kottmann, ein Streuobstparadies-Urgestein, deutlich. Auf Schwäbisch erklärt der weithin bekannte Apfelphilosoph die Küchenprinzipien des Hauses:

“Hummer kochen oder Trüffel hobeln isch koi Kunschd, aber aus Profanem kreativ ebbes zum Genuss zu machen, des braucht viel Kenntnis und Erfahrung.”

Klingt gut, aber: Probieren geht über Studieren.

Schlemmen im Gaisentäle

Das obere Filstal wartet vielen Spezialitäten auf. Neben dem Streuobst ist Ziege (Goiß) das zweite einzigartige Produkt der Region. Das dritte sind die Albkräuter, dann kommt der Blütenhonig.

Ungewöhnliche Rezeptideen warten auf Liebhaber regionaler Küche im Hirschen in Bad Ditzenbach-Gosbach, z.B. das Zwetschgensäckchen

Irgendwie klassisch und doch ganz neu

Buchteln im Streuobstparadies
Zwetschgensäckchen, schwäbischer Traditionsgenuss

Die Kottmannkunst der Verkuppelung von alten Obstsorten mit gehobenen Gerichten wird schon beim Aperitif deutlich. Es gibt Dürlitzen-Nektar aufgefüllt mit Apfelmost (dahoim saget se Schwobablut), dazu als Entrée einen Klassiker: Apfel-Zwiebelschmalz mit Wildkräutersalz und Landbrot. “Lecker”, denke ich und muss mich zurück halten, schließlich kommt ja noch Einiges.

Beim ersten Gang jubelt das Herz. Das Zwetschgensäckle ist schon durch die Anrichte eine Freude und wir bekommen doppelt gepuckte Dörrpflaumen: zuerst mit grünem Speck, dann mit Blätterteig. Serviert wird auf einem Albleisa-Kürbis-Salat. Diese Küche hält genau das, was sie verspricht.

“Wenn die Biene mit der Birne…”

Schmackhaft und gesund: der Wildkräutersalat

Hinter dem nächsten Gang durch das Streuobstparadies-Menü verbirgt sich laut Karte ein Wiesenkräutersalat mit Honig-Dörrbirnen-Buchweizen und mariniertem Ziegenkäse. Aber: Chefkoch Andreas Kottmann hat noch ein Scheible gefüllte Flädle unter den wohlschmeckenden Blättern versteckt. Solch ein Aromabouquet ist genau nach meinem Geschmack.

Eher skeptisch werde ich, als sich die Apfel-Sauerkraut-Suppe mit Honig-Zander ankündigt. Ich versuche, mir das geschmacklich vorzustellen. “Der Fisch sauft ab”, spekuliere ich. Auf der Zunge erlebe ich jedoch eine Überraschung: die starken Säuren gehen mit dem feinen Schmelz des Weißfisches eine geniale Liaison ein!

Weiderind

Das Ganz-klassisch-ganz-neu-Prinzip kommt im Hauptgang zur Vollendung. Kellner Julius serviert Filet vom Weiderind auf einem Purée von gerauchten Birnen und Kartoffeln. Die Schlehen-Rotweinsoße liefert einen weitere köstliche Spielart der Verbindung aus Wiesenfrüchten und anderen traditionellen Zutaten.

Das süße Streuobstparadies

Luikenapfelsorbet
Luikenapfelsorbet

Und bei der zweiten Beilage, den Kartoffel-Speck-Buchteln dürften bei so manchem ganz traditionelle Oma-Gefühle aufkommen. Beim Duftdessert wird die Liebe zur Region vollendet, denn “Luikenapfel mag die Rose…”. Der Überraschungsteller mit warmen und kalten Köstlichkeiten spricht im wahrsten Sinne des Wortes an: auf dem Tellerrand findet jeder Gast seinen Namen als Schokoladen-Schriftzug.

In den Menüs befeuern die Kottmanns ihre Gäste mit Streuobst-Aromen in variantenreicher Ausprägung. Wer nach dem Motto lebt “Was der Bauer ned kennt, frisst er ned” hat hier nichts verloren. Ich glaube, ich habe noch nie so gut gegessen, indem regionale Küche gleichzeitig so konsequent und so kreativ umgesetzt wurde.

Wer all das in umfangreicher Weise erleben will, sollte sich die Arrangements des Hauses anschauen. Bei Kottmanns kann man Rundumsorglos-Pakete aus Lehrreichem zum Streuobst, Wellness in den Vinzenz-Thermen, Wandern in der Natur und köstlichen Menüs buchen. Internetseite Hotel-Restaurant Hirsch

Alles ländlich im Sulzburghof in Lenningen

Der Sulzburghof im Schwäbischen Streuobstparadies
Der Sulzburghof in Lenningen
Vesperbrett im Sulzburghof
Ein herbstliches Vesperbüffet im Sulzburghof bietet Rustikales aus der schwäbischen Küche.

Zur Gastronomie ist man im Sulzburghof gekommen wie Maria zum Kind. Oder genauer: wie Angelika zum Stuttgarter. Früher hat Seniorchefin Angelika Kuch immer privat im Backhäusle für den Eigenbedarf gebacken. Doch plötzlich standen Stuttgarter da und wollten ihr das Brot abkaufen.

Den Konflikt zwischen Selbstversorgung und der Möglichkeit, Geld mit regionalen Produkten aus dem Streuobstparadies zu verdienen, löste man mit der Zeit durch die Anschaffung eines Ofens. Die Investition lohnte sich, denn der stetige Zulauf machte Anbauten notwendig, die auch die Neueröffnung eines Cafés ermöglichte.

Hier schaffet Landwirt!

Große Identitätskrisen oder Neuausrichtungen gab es nie. Die Kuchs wollten bleiben, wer sie sind: Landwirte, bodenständig, naturverbunden und heimatliebend. Entsprechend ist das Angebot. Die Holzofenromantik ist längst vorbei, doch die Schamotte-Öfen werden genauso honoriert. Die Qualität stimmt, entscheidend ist die regionale Herkunft der Produkte ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe.

Selbst der Zuzug von Discountern in unmittelbarer Nähe erwies sich als unschädlich. Die erweiterten Parkmöglichkeiten außerhalb der Innenstadt machte das ganze Areal zur Genuss- und Einkaufszone, von der auch der Sulzburghof profitierte. Denn die Angebote ergänzen sich gegenseitig. Verbraucher wissen heute mehr denn je, was sie wo kaufen.

Süßes im Café aus der Konditorei und Confiserie

Einen weiteren Entwicklungsschub brachte der Einstieg der Kinder ins familiäre Berufsleben. Am sichtbarsten wird dies bei Tochter Sandra, die nach einer Topausbildung zur Konditorin das Produktspektrum in Hofladen und Bäckerei um Kuchen, Torten und Pralinen erweitern und das Produktangebot und Café aufwertete.

Der ehemalige Gutshof der in Sichtweite befindlichen Sulzburg hat sich von der reinen Landwirtschaft zum kleinen Streuobstparadies-Mall und Ausflugsziel in einer stimmungsvollen Landschaft verwandelt. “Manchmal denke ich, ich lebe nur wegen der schönen Sonnenuntergänge hier”, sagt Angelika Kuch. Also: hinfahren lohnt sich.

Sonnenuntergang am Sulzbrghof

Die Recherchen für diesen Artikel wurden durch eine Pressereise der Tourismus BW Marketing GmbH unterstützt.

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