Pfaffenwinkel Apfelbaum mit Rutsche

Im Pfaffenwinkel (2): bewundernswerte Gärten

Bei einem Streifzug durch den Pfaffenwinkel wird man sich unweigerlich dabei erwischen, durch die Vielfalt und Schönheit der Gärten zu kiebitzen.

Pfaffenwinkel Magnetsried Hausgarten Schon beim simplen Spaziergang durch fast jeden Ort im Pfaffenwinkel taucht man ein in die einmalige Gartenkultur Oberbayerns. Das Kiebitzen gilt zwar nicht unbedingt als höflich, aber angesichts der Schönheit so manchen Pfaffenwinkel-Gartens wäre es geradezu ignorant, ihn keines Blickes zu würdigen. Und: Besuche der Gärten sind im Pfaffenwinkel ohne Zaun und mit Nähe durchaus erwünscht. Hier einige Beispiele:

Gartenglück/Apfelreich: Rottenbucher Seelengärten

Das Wetter am Tag unseres Besuchs in den privaten Gärten von Barbara Landerer und ihrer Familie kann man getrost mit “trüb” umschreiben. Das ändert aber überhaupt nichts an der Vielfalt und der einmaligen Ausstrahlung, die das “Gartenglück” und das “Apfelreich” ausmachen. Der Hausgarten und die große Streuobstwiese bei Rottenbuch sind einmalige Naturrefugien im Pfaffenwinkel. Die hier gepflegten Werte kann man an den Gebetsfahnen ablesen, die Barbara Landerer am Eingang ihres Hausgartens angebracht hat: “Weisheit”, “Schutz”, “Frieden”, “Fülle & Segen”, “Freude” oder “Brauchtum ehren” heißt es da. Es geht also nicht nur um das Züchten von Blumen und Gemüse, sondern um ein naturnahes Gleichgewicht der menschlichen Ressourcen – auch in heimischen Gärten. Bei jedem Schritt spürt man die Kraft und die Liebe, mit der hier Gartenkultur gelebt wird. Ihr Wissen hat sich Barbara Landerer in den letzten 30 Jahren selbst angeeignet und sie hat auf die allermeisten Fragen eine Antwort parat, die den Sinn von naturnaher und Schöpfung bewahrender Gartenkultur verständlich machen. Dazu gehört auch die Bewahrung von (vermeintlichem) Totholz: “Wenn mich die Menschen fragen, ob sie einen abgestorbenen Obstbaum ersetzen sollen, rate ich fast immer, ihn stehen zu lassen. Denn meist treibt er irgendwann doch wieder aus. Und falls nicht, dient er weiterhin als Insektenhotel”, sagt Barbara. Das ist nur ein Beispiel von vielen Lehrstücken, die man im Gartenglück/Apfelreich kennenlernen kann. Abgesehen von den Schönheiten, die ihre Gärten bieten. In der Bildergalerie stellen wir einige mehr davon vor:

Kontakt: Gartenglück Apfelreich

Barbara Landerer
Haldenberger Str. 15
Rottenbuch
Tel. 08867/1525

Auf dem Weilheimer Wieshof: Gärten à la Mittelalter

Dass die Vegetation in unseren schönen Breitengraden kein Zufall der Natur ist, zeigen in besonderer Weise die Gärten auf dem Wieshof in Weilheim. Kräuterpädgogin Elisabeth Doll unterhält hier mehrere Lehrgärten, zwei davon sind mittelalterlichen Ursprungs. Diese Gärten wurden in der Karolingerzeit entworfen. Elisabeth Doll hat in ihrem Pfaffenwinkel einen Garten nach den Vorgaben des “Capitulare de villis” angelegt. Dabei handelt es sich um die über 1200 Jahre alte Landverordnung Kaiser Karls des Großen. Ursprünglich wurde sie erlassen, um die Ernährung der Bevölkerung durch eine gezielte Auswahl von Nutz- und Heilpflanzen sicher zu stellen. Der zweite stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Der Kräutergarten ist ursprünglich im St. Galler Klosterplan eingezeichnet. Die Bepflanzung lehnt sich ebenfalls an die Kräuter- und Heil- und Nutzpflanzenliste in der Landgüterverordnung Karls des Großen an. Doch auf dem Wieshof gibt es noch weitaus mehr zu entdecken. Ein Besuch in den Gärten lohnt sich.

Kontakt: Wieshof Naturpädagogik

Elisabeth Doll
Wieshof 1, 82362 Weilheim-Marnbach
Telefon 0881-2342

Der Wessobrunner Paradieshof und sein Garten-Café

Sie aßen vom Baum der Erkenntnis und “erkannten, dass sie nackt waren”, heißt es im Alten Testament. Gemeint ist damit, die (Un-?)Sitte des Menschen, die Dinge des Lebens unterscheiden zu wollen. Im spirituellen Sinne ist damit das eigenwillige Verlassen des Paradieses, also der kontemplativen Einheit mit Gott, gemeint. Auf dem Paradieshof könnte man ab und an meinen, ins Paradies zurückzukehren. Wenn man den Garten im Paradieshof und die Plantagen das erste mal sieht, könnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen, warum man die Dinge nicht einfach laufen lassen kann und einfach nur da sein. Ganz so einfach ist es freilich nicht, denn in so einem neuen Paradies steckt eine Menge Arbeit. Wie auch immer, der Paradieshof von Melanie Kleider und Norbert Weimann ist eine dieser Glücksoasen, wo man nach eigener Aussage seine “Seele baumeln lassen” kann. Den hohen Wohlfühlfaktor unterfüttern sie mit ihrem Gartencafé und ihrem Obstbau. Obst aus ökologischer Mischkultur trifft im Café auf Biovollkorn-Getreide oder wird als fermentierter Obstsaft angeboten – gesund, lecker, schön. Und die Frage, ob die beiden hier ihren Traum leben oder ihr Leben träumen, braucht eigentlich keine Antwort.

Kontakt: Paradieshof

Melanie Kleider
Wolfhof 7, 82405 Wessobrunn-Forst
Telefon 08809-2249 879

Für Treehugger: Der Bernrieder Park

Eine ungewöhnliche Gartenanlage findet man in Bernried. Der Park am Westufer ist eine Stiftung von Wilhelmina Busch, Tochter des Brauers Adolphus Busch (genau, der von Anheuser-Busch). Das alles ist aber schon über 100 Jahre her. Heute gehört der Bernrieder Park der Wilhelmina Busch-Woods-Stiftung und wird von einem Stiftungskuratorium verwaltet, das den Park pflegt, um ihn nach dem Willen der Stifterin für die Allgemeinheit zugänglich zu halten. Das ist auch notwendig, schließlich ist das Erbe im wahrsten Sinne riesig. Nicht nur das Areal ist groß, hier finden sich auch im Stile eines Englischen Gartens Riesenbäume, die man hier nach und nach erwandern kann und die durch ihre urwüchsige Form begeistern. Und sie sind natürlich auch ein Paradies für Treehugger.

Kontakt: Bernrieder Park

Wilhelmina-Busch-Woods-Stiftung
Starenweg 12
82362 Weilheim i.OB
Tel.: 0881/15 32

Gemüse to go im Gut Dietlhofen

Einen Nutzgarten findet man im Gut Dietlhofen. Wer junges Gemüse ernst nimmt, wird hier fündig. Bei einer Radtour durch den Pfaffenwinkel kann man hier gut anhalten und sich sein Gemüse selbst ernten. Der Hofladen ist zwar nicht immer geöffnet, aber es gibt hier eine Kasse wie man sie von Blumenfeldern kennt. Das Bioland-Gut bei Weilheim wird von der Peter Maffay-Stiftung betrieben, die hier verschiedene naturschützerische, landwirtschaftliche und touristische Initiativen umsetzt. Einen Überblick bekommt man auf der Website des Gut Dietlhofen im Pfaffenwinkel.

Pfaffenwinkel Gartenwinkel

Die Initiative Gartenwinkel versammelt öffentlich und privat Aktive rund um die Gartenkultur zwischen Lech und Loisach. Wissensvermittlung und Gastfreundschaft stehen bei der Öffnung der “grünen Schatzkästen im Pfaffenwinkel” im Mittelpunkt. Das Spektrum der Gärten zieht sich vom geheimen Kleinod bis hin zur öffentlichen Parkanlage. Hier gibt es wirklich viel zu entdecken. Eine Übersicht gibt es auf der Website von Gartenwinkel Pfaffenwinkel.

Kontakt: Gartenwinkel Pfaffenwinkel

Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege
Heike Grosser
Pütrichstr. 8, 82362 Weilheim
Tel. 0881/681-1207

Nochmehr Einblicke in Gärten und Pflanzen-Brauchtum gibt es im Artikel Im Pfaffenwinkel (I): Besinnliche Spurensuche zu Mariä Himmelfahrt

Dank gilt dem Tourismusverband Pfaffenwinkel, der die Recherchen zu diesem Artikel vor Ort unterstützt hat.

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