MAriä Himmelfahrt, Stadtkirche Weilheim

Im Pfaffenwinkel (I): Besinnliche Spurensuche zu Mariä Himmelfahrt

Auf einer spirituellen Reise in den oberbayerischen Pfaffenwinkel lernen wir die Lebendigkeit geistlichen Brauchtums in einer einmaligen Kulturlandschaft kennen.

Bei den Benediktinerinnen in Bernried

Kloster Bernried im Pfaffenwinkel
Die Klosterkirche St. Martin, Bernried

“Höre”. – Im Kostergarten von Bernried zwitschern die Vögel. Mit geschlossenen, konzentrierten Augen entstehen bewegte Bilder von Turteltäubchen, deren bunter Tanz plötzlich vom Brrrrrrummmen einer Wanze durchschnitten wird. Diese Wahrnehmung entsteht während einer morgendlichen Meditation zwischen Gästehaus und Ufer am Starnbegrer See im östlichen Pfaffenwinkel. Normalerweise bin ich für solche geistlichen Zusammenkünfte nicht leicht zu haben. Körperbetonte Übungen ohne den festlichen Rahmen der sonst im Katholischen üblichen Liturgie lösen in mir eher Befremden aus. Doch in Bernried bin ich offen dafür. Unsere Gruppe hat sich in dieser sonnigen und gepflegten Ruhezone der Benediktinerinnen am Starnberger See zusammengefunden. Jede/r kommt aus einer anderen Lebensperspektive, hat unterschiedliche Interessen, Begabungen, Nöte oder Anliegen, aber alle sind trotz ihrer Skepsis offen für das, was passiert. Wir verbringen eine schöne, besinnliche Zeit in Stille.

Vielleicht liegt es ja auch an Sr. Helga Gabriela Haack, die uns im Namen ihres Konvents zu dieser Meditation eingeladen hat. Vertrauen ist schnell gefunden und wir können nach anstrengenden und anregenden Tagen in der Ruhe des Klosters von unserem positiven Stress abschalten. “Einfach nur da sein”, vermittelt sie uns. Mit Hilfe einiger einfacher Übungen,der heiteren Landschaft des Pfaffenwinkels und dem geprägten Ambiente eines benediktinischen Klosters führt sie uns nach einer Tagespilgerei in diese Komfortzone jenseits des beruflichen Alltages und der familiären Belastungen, raus aus dem hohen Tempo unserer Zeit. Auftankzone.

Martinsbrunnen Bernried
Dieser Brunnen in Bernried zeigt ebenfalls den heiligen Martin, der mit einem Bettler teilt.

Um das erleben zu können, mussten wir mussten nicht weit anreisen. Zwischen zwei und sechs Stunden Fahrt brachten uns in eine einmalige Landschaft aus mittelgebirgsähnlichen Hügeln, saftigen Wiesen, leuchtenden Wäldern und glänzenden Seen. Das Dorf Bernried liegt im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Bernried und sein Kloster liegen am Südufer des Starnberger Sees. Der Starni, wie er auch genannt wird, muss im Sommer eigentlich auch nicht viel bringen außer da zu sein. Zumindest wenn es um landschaftliche Schönheit geht. Und das war wohl schon immer so. Denn alleine die Tatsache, dass das Kloster dem heiligen Martin geweiht ist, zeigt an, dass Menschen den Pfaffenwinkel schon sehr früh besiedelt haben. Die Forchungen bestätigen dies: merowingische Zeugnisse, also aus dem 6. oder 7. Jahrhundert zeigen aufs frühe Mittelalter, aber vermutlich waren auch die Römer hier schon zugange. Wie auch immer. Das Kloster ist die älteste bekannte Einrichtung in Bernried und bestand als Augustiner-Chorherrenstift mindestens von Beginn des 12. Jahrhunderts bis zur Säkularisation 1803, also rund 700 Jahre. Nach dem zweiten Weltkrieg erwarben es die Missionsbenediktinerinnen von Tutzing und eröffneten hier ein Filialkloster mit Noviziat und Bildungshaus.

Im Pfaffenwinkel: Blick von der Kloster-Dachterrasse
Der Klostergqarten der Benediktinerinnen von Bernried liegt direkt am Starnberger See

Zu Gast im Pfaffenwinkel bei der Patrona Bavariae

Anlass unserer Reise war das Hochfest Mariä Himmelfahrt, das weltweit von katholischen, orthodoxen, anglikanischen und armenischen Christen am 15. August begangen wird. Der vollständige Name dieses Hochfestes in der katholischen Kirche heißt auch “leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel” oder “Aufnahme der seligen Jungfrau Maria”. Dieses Glaubensfest ist nicht biblisch überliefert, sondern entstand in der kirchlichen Tradition der Spätantike. Die Kirchenväter gingen davon aus, dass die leibliche Aufnahme der Gottesmutter Maria deshalb möglich war, weil sie ähnlich unschuldig, also ohne Sünde, gelebt hat wie ihr göttlicher Menschensohn. Der Glaube selbst gilt aber dem dreifaltigen Gott gilt und nicht Maria. Sie ist die verehrte Vermittlerin des Glaubens durch ihr Vorbild in der Hingabe an Gott.

Pfaffenwinkel Mariä Himmelfahrt

Mariä Himmelfahrt: Patrozinien, Wallfahrten, Kräuterbuschen und Lichterprozessionen

Zum Brauchtum an Mariä Himmelfahrt gehört auch das Binden und Weihen von Kräuterbüscheln, die am Vortag gebunden werden und vor den Patroziniums-Gottesdiensten gesegnet werden. Üblicherweise binden sie die (Land-)Frauen. Auf dem Wieshof, den wir am Vortag besuchen, haben wir Gelegenheit, in die Tradition der Kräuterbuschen Einblicke zu bekommen.

Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt

Kräuterpädagogin Elisabeth Doll zeigt uns, wie solch ein Kräuterbuschen gebunden werden kann. Das ist an sich kein Hexenwerk, auch wenn der Brauch ursprünglich heidnisch war. Die Kräuter werden an den Stengeln mit einem Stoffband umwickelt. Die Auswahl der Kräuter ist zwar grundsätzlich frei, doch gibt es verschiedene “Zutaten”, die Glaubensinhalte symbolisieren und transportieren. Elisabeth erklärt uns, dass dort beispielsweise Kräuter gegen Frauenleiden eingearbeitet werden. Dazu gehören Johanniskraut, Schafgarbe, Minze und Salbei. Meist dabei ist auch die Königskerze. Durch sie wird um Schutz vor Blitzeinschlag gebeten. Es gibt aber auch Kräuter mit direktem christlichem Bezug. So steht der Rohrkolben für die Lanze Christi oder Getreide für Brot und damit für den Leib Christi. Nicht fehlen darf die Rose als Symbol für Maria selbst, die in der Lauretanischen Litanei als “geheimnisvolle Rose” oder “Rosa mystica” besungen wird.

Da es speziell in Bayern sehr viele Kirchen mit dem Titel “Mariä Himmelfahrt” gibt, finden am Patroziniumstag 15. August eben so viele Feste statt. Wir kamen mit zweien in Berührung. Zuerst in Jenhausen. Wir kamen dort zwar erst nach dem Gottesdienst an, aber im Korb vor der Tür lagen noch einige der Kräuterbuschen, die für diejenigen gemacht werden, die keine Gelegenheit haben, sich selbst einen zu binden. So kamen wir auch zu einem Kräuterbuschen, der uns ein willkommener Begleiter beim Pilgern war.

Die Bedeutung dieses Hochfestes zu Ehren der “Frau der Frauen” unterscheidet sich je nach volkstümlichem Brauchtum und der Glaubenstradition vor Ort. In Bayern hat das Hochfest eine so hohe Bedeutung, dass die Gottesmutter Maria auch die Patronin Bayerns wurde und so gehört Bernried zu den rund 1700 bayerischen Kommunen, in denen Mariä Himmelfahrt auch ein gesetzlicher Feiertag ist. In Bernried gehört wie an manch anderen Orten auch die Lichterprozession zu den Höhepunkten von Mariä Himmelfahrt. Mancherorts gehen Tausende von Teilnehmern den Rosenkranz betend zu einem meist etwas außerhalb gelegenen Verehrungsort Mariens. 2020 musste das wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, aber die Benediktinerinnen von Bernried haben sich etwas einfallenlassen und eine schöne Alternative entwickelt. So gab es eine Nacht der Lichter, bei denen nicht nur das Gästehaus im roten Kerzenschimmer erleuchtet wurde, sondern auch ein Lichterweg gestaltet wurde, den jede/r laufen und dabei auch Abstand halten konnte. IN Bernried ging es dann am Starnberger See entlang rund um die Seekpelle, in der die Wallfahrts-Pieta von Bernrid aufbewahrt wurde. Den Weg säumten zahlreiche Lampions mit christlichen Zeichen, die den Glauben in Jesus und Maria ausdrücken.

Zur Wallfahrt in Bayern ist ein altes Gebet überliefert, das vielerorts zur Andacht dient:

O Maria hilf, o Maria hilf, o Maria hilf doch mir,
ein armer Sünder kommt zu dir,
im Leben und im Sterben,
lass´ uns nicht verderben,
lass´ uns in keiner Todsünd sterben,
steh´ uns bei im letzten Streit,
o Mutter der Barmherzigkeit!

Altes Wallfahrtsgebet

Einkehrmöglichkeiten

  • Bildungshaus St. Martin Bernried
    Missionsbenediktinerinnen von Tutzing
    Klosterhof 8, 82347 Bernried am Starnberger See
    Telefon: 08158 2550
    Tipp: Obwohl Bildungshaus, nehmen die Benediktinerinnen in Bernried auch Individualgäste auf. Wichtig: Mind. sechs Wochen vorher anfragen!
  • Landgasthof Drei Rosen
    Dorfstr. 11, D-82347 Bernried
    Telefon: +49 (0) 8158 904053
    Tipp: Hier gibt’s im urigen Biergarten den typischen bayerischen Krustelbratn!
  • Wieshof Naturpädagogik
    Elisabeth Doll
    Wieshof 1, 82362 Weilheim-Marnbach
    Telefon 0881-2342
    Tipp: Hier macht Lernen von der Natur Spaß – in Schaugärten, in der Seminarküche oder beim Genuss hauseigener Naturprodukte.

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