„Eichfelsen-Panorama“: Kultur im Durchbruch Blick vom Eichfelsen in Richtung Werenwag

Der Premiumwanderweg „Eichfelsen-Panorama“ bietet nicht nur wunderschöne Naturerlebnisse, sondern auch zahllose Geschichten zur Kultur an der jungen Donau. Aussichten mit Einsichten.

Nachdem ich die DonauwelleEichfelsen-Panorama“ zu Ende gelaufen war, kam mir die Frage in den Sinn, ob ich je zuvor eine Tour gemacht habe, bei der es soviel kulturell Sehenswertes und Lehrreiches mitten in der Natur zu entdecken gab. Ob Geschichte, Kunst oder Religion – auf dieser Route kann man Außergewöhnliches entdecken.

Mehrere Startorte möglich

Doch zurück zum Anfang. Wegen meiner Einkehrwünsche starte ich nicht in Beuron, sondern fahre zur Haltestelle St. Maurus (Linie 50, Tuttlingen-Sigmaringen). Auf dem Weg runter an die Donau taucht zwischen den Zweigen ein fast schon verwunschen anmutendes Haus auf. Gelb und Rot leuchtet es durch das Laub. Es handelt sich um das ehemalige Bahnwärterhaus an der Tunneleinfahrt zwischen Langenbrunn und Beuron, das im Volksmund bis heute „Posten 18“ heißt, obwohl es längst privatisiert wurde. Es entstand, als Ende des 19. Jahrhunderts in einem zweijährigen Kraftakt die Donautalbahn zwischen Inzigkofen und Tuttlingen gebaut wurde.

Haus am Waldrand

Im Durchbruchstal der Jungen Donau

Am Flussufer tauche ich ein in das typische und abwechslungsreiche Durchbruchstal im Donaubergland. Nach einem kurzen Stück kommt eine Brücke über die Donau. Wer die St. Mauruskapelle besuchen will, kann hier einen lohnenden Abstecher machen. Nach etwa einem halben Kilomater entlang des Sträßchens kommt die St. Maurus-Kapelle, mit der die weltbekannte Beuroner Kunstschule ihren Anfang nahm. Man sieht die Kapelle später auf dem Weg auch nochmal von der anderen Donauseite aus:

St. Maurus im Felde

Kunst am Fluss

Direkt nach der Brücke kommt ein ungewöhnliches Flechtwerk in das Blickfeld. Es ist Teil des Landart-Projektes „Kunst am Fluss“, das vom Kulturarchiv des Landkreises Sigmaringen initiiert wurde. Hier befindet sich auch eine der Rastplätze und Ruhbänke, die zahlreich entlang des Premiumweges „Eichfelsen-Panorama“ kommen.

Rastplatz am Kunstwerk

Die Frühzeit der Menschheit

Nach einer ruhigen Passage im Wald mit schönen Flussuferpartien kommt man an der rote Brunnen-Höhle vorbei. Im Volksmund ist sie jedoch die Maurus-Höhle und zeigt neuerlich den katholischen Einfluss in der Region. Die archäologischen Funde beweisen eine Besiedlung bereits seit der Frühsteinzeit und später auch in der Keltenzeit.

Petershöhle und Petersfelsen

Zwischen Maurushöhle und Beuron kommt man an eine steile Holztreppe. Sie führt hinauf zur Petershöhle, die von einer vorgelagerten Stütz- und Schutzmauer gesäumt wird. Hier gab es aber nicht wie im Mittelalter üblich, eine Höhlenburg – weder autonom noch als Unterburg einer Höhenburg auf einem Felsdorn. Zumindest sind bis dato keine Urkunden oder Funde dazu aufgetaucht. Derzeit geht man davon aus, dass sie eine Zufluchtsstätte der Beuroner Mönche war.

Holztreppe mit Mauer

Petershöhle von innen

Ein Stück weiter an einem Felsen entdecke ich eine Art Fries auf dem Felsen. Es ist eine Bonus Pastor-Darstellung und im Stil der Beuroner Kunstschule gehalten. Den traurigen Anlass für dieses kleine Kunstwerk kann man auf einem kleinen Schild daneben nachlesen: „Unweit dieser Stelle stürzte der 24jährige Kaufmann Alfons Tönnes aus Sigmaringen v[om] freiw[illigen] Arbeitsdienst Beuron vom Petersfelsen tötlich ab. Wanderer, bete für ihn ein Vater unser.“ Das Donautal birgt bis heute auch gewisse Gefährlichkeiten, die immer wieder zu Unfällen führen. Man sollte sich also von der Schönheit nicht zu sehr berauschen lassen. Solche kleinen Kunstwerke gibt es aber nicht nur nach Unfällen. Immer wieder tauchen kleine Bildhauerein oder Malereien entlang der Wege rund um Beuron auf.

Medaillon mit gutem Hirten

Nach einem weiteren Stück sieht man von oberhalb auf Beuron mit seinem Bahnhof, in dem das Haus der Natur untergebracht ist. Blickt man zurück, erhebt sich über dem Donautal der Petersfels mit seinem großen Kreuz. Es leuchtet immer dann, wenn die christlichen Hochfeste stattfinden oder ein Mönch der Erzabtei verstorben ist.

Blick auf Beuron

Donautal mit Petersfels

Geistliches Zentrum: die Erzabtei Beuron

Der kulturelle Höhepunkt auf dem Eichfelsen-Panorama ist ohne Zweifel das Benediktiner-Kloster St. Martin in Beuron. Das geistliche Zentrum ist zugleich das erste der Donauklöster. Man kann das Kloster selbst zwar nicht besichtigen, aber die Abteikirche steht während und außerhalb der Gottesdienste für Gäste offen.

Abteikirche Beuron

Mit der Wiedergründung nach der Säkularisation durch die Benediktiner 1863 setzte von Beuron aus der monastische Frühling ein. Von hier aus wurden in Mitteleuropa und in der ganzen Welt zahlreiche Klöster und Kongregationen gegründet. Hier wurde auch die Beuroner Kunstschule entwickelt, die weltweit tätig war. In Beuron selbst sind zahllose Werke im gesamten Kloster zu sehen. In der Abteikirche lohnen insbesondere der Besuch der Gnadenkapelle und der Grablege der Beuroner Erzäbte. Die Krypta wurde erst kürzlich saniert und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Die Beuroner Kunst lebte auch im klostereigenen Verlag auf, der mit grqafischen und fotografischen Mitteln die Werke reproduzierte und für die breite Öffentlichkeit zugänglich machte.

Gnadenkapelle

Krypta

Die Beuroner Kunstschule existierte etwa bis zum Zweiten Weltkrieg. Der vorerst letzte im Kloster Beuron aktive bildende Künstler war P. Ansgar Dreher. Seine Formensprache ist den Strömungen der Nachkriegszeit verpflichtet. Der aus Vilsingen stammende Priestermönch studierte an der Akademie in München und fertigte neben seinen Skulpturen auch die Grabsteine für den Klosterfriedhof in Beuron und war als Grafiker tätig. Vor Ort kann man seine Grabsteine und eine Skulptur im Friedhof bewundern.

Schlösser und Burgen an der Côte d’Azur des Mittelalters

Nach dem Aufstieg nach Irndorf bekommt man zunächst nochmal mehrere wunderbare Blicke auf Beuron und sein Kloster. Oben angekommen erreicht man nach einer Weile den Irdorfer Felsengarten. Der namensgebende Eichfelsen ist der nächste große Höhepunkt. Das berühmte Panorama zeigt nicht nur den einmaligen CHarakter des Durchbruchstals der Donau, sondern auch auf die Burg Werenwag und die Festung Wildenstein.

Im Durchbruchstal gibt es auffallend viele Schlöser, Burgen und Ruinen. Etwa 100 sind bisher zwischen Tuttlingen und Sigmaringen bekannt. Die Dichte entlang dieser 48 km ist auffallend höher als andernorts, ohne dass man dafür bisher eine verbürgte Erklärung gefunden hätte. Aber vielleicht ist es ja ganz einfach: die Menschen haben schon immer gewusst, wo es schön ist. Deshalb nennt man das Donautal auch die Côte d’Azur des Mittelalters.

Tipp: Das DOnautal ist natürlich auch attraktiv für Fotografen. Insbesondere die Sonnenaufgänge bei Bodennebel können für ganz besondere Stimmungen in diesem Motiv sorgen.

Vom Eichfelsen geht es nochmal ein Stück zurück Richtung Irndorf. Hier kehre ich im Wanderheim Rauher Stein ein und komme anschließend nach einem Verdauungsspaziergang zurück zu meinem Ausgangspunkt.

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