Cover Geschmeidige Kost

Buchtipp: Geschmeidige Kost

Kennt Ihr den Spruch: “Mach Disch mal gschmeidig!”. Üblicherweise findet er Anwendung bei der Überwindung fehlender Gelassenheit oder sexueller Verklemmtheiten. Wer jedoch von Schluckbeschwerden betroffen ist, benutzt den Begriff anders.

Dann geht es ums barrierefreie Essen, wenn man beispielsweise aufgrund einer Zungenkrebserkrankung mit Einschränkungen beim Kauen und/oder Schlucken leben muss. Dann benötigt man geschmeidige Kost. Ihr Buch über das “Essen ohne Barriere” haben die drei Autoren Boban M. Erovic, Piero Lechner und Claudia Braunstein mit zahlreichen Basics über die Physiologie, die Ursachen und Therapie des Schluckens und seiner Störungen eingeleitet einschließlich der Verhaltensrichtlinien, um im Alltag mit den Folgen von Dysphagie oder anderen Erkrankungen zurecht zu kommen.

Den weitaus größten Teil des Buches nehmen jedoch die Rezepte ein, die Reise- und Food-Bloggerin Claudia Braunstein im Laufe der Jahre gesammelt und teilweise auch entwickelt hat. Sie erreichen, was sie sollen: nämlich zu zeigen, dass Schluckstörungen trotz der Einschränkungen keine genussfreie Zone bilden und dass nicht jede Mahlzeit püriert werden muss, um geschmeidige Kost zu sein. Zugegeben: Muskelmasse, die üblicherweise unter der Bezeichnung Fleisch verzehrt wird, muss schon zerkleinert werden, um für Betroffene zugänglich zu bleiben. Aber mit weichem Fleisch wie Lachs oder Hackfleisch kommt so manche Leckerei auf den Tisch, z.B. ein Rindertartar, nach dessen Genuss sich bestimmt die eine oder der andere fragt, ob das Garen von Fleisch ein Verbrechen sein könnte. Vegetarier kommen auch auf ihre Kosten. Die Polentaknöderl mit Karottenstampf dürften auch so manche Nichtbetroffene anziehen. Unter den Vorspeisen habe ich einen Favoriten gefunden, der manchmal abgewandelt, aber regelmäßig auf den Tisch kommt: Eier im Glas mit Lachs. Der Clou besteht darin, die Eier nur drei Minuten zu kochen und sie mit den anderen weichen Zutaten zu vermischen. Delikat gewürzt mit Dillsenf im wahrsten Sinne des Wortes ein Gaumenschmeichler. Und spätestens bei den Nachspeisen wird unmissverständlich deutlich, dass Claudia Österreicherin ist und die süße Volksseele hier ihren nächsten kreativen Schub bekommt. Käsekuchen gibt’s dann einfach ohne Boden und besonders elegant finde ich das Beeren-Punsch-Gelee, das in Varianten sicher nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit eine kulinarische Handreichung bietet. Ein schönes Buch mit ärztlich geprüften Rezepten, das Inpirationen für alle Betroffenen und auch Nichtbedürftige bietet.

Vielen Dank an Claudia Braunstein und den Manz-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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